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AEGHE Newsletter für Mitglieder | 2025

Termine | Tagungsbeiträge | Fastenstudien

  • Jetzt buchen Der 21. Internationale Fastenkongress in Berlin
  • Jetzt planen: Die 60. ÄGHE-Fortbildungstagung in Hamburg & Online
  • Tagungsbericht: Fachbeiträge der 59. ÄGHE-Fortbildungstagung im Kurhaus Marienkron
  • Studien: Forschung sucht Probanden für naturheilkunde.immanuel in Berlin
  • Kommentar: Sind Darmreinigungen im Fasten unnütz oder schädlich?
  • Bücher: Der überarbeitete Klassiker "Wie neugeboren durch Fasten"
  • In eigener Sache: Neue Kraft im Büro - Diana Baumgartl löst Caro Breinlinger ab

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05. – 06. Juli 2025

21. Internationaler ÄGHE-Fastenkongress, Berlin & Online

Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin

05/06 July 2025

21th International Fasting Conference of the GERMAN MEDICAL ASSOCIATION FOR FASTING AND NUTRITION in Berlin & online

Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin

Gastgebende: Prof. Dr.med. Andreas Michalsen, Dr.med. Daniela Koppold, Etienne Hanslian and Team
Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und AG klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin. / Department of Nature-Based Therapies at the Immanuel Hospital Berlin and Internal and Integrative Medicine Research Group at Charité Universitätsmedizin Berlin

Die diesjährige Tagung bietet zahlreiche Highlights und aktuelle Top-Themen rund ums Fasten:

  • Prof. Dr. Claudio Vernieri gibt spannende Einblicke in die Rolle des Fastens in der onkologischen Immuntherapie.
  • Assoc. Prof. PhD. Courtney Peterson beleuchtet, wie intermittierendes Fasten die Frauengesundheit beeinflusst.
  • Dr. Eleonore Heil stellt die neuen DGE-Empfehlungen vor und setzt dabei einen besonderen Fokus auf das Thema Alkohol.
  • Dr. Sebastian Hofer präsentiert neueste Erkenntnisse zum Fastenstoffwechsel – insbesondere zu Polyaminen und Autophagie.
  • Prof. Dr. Sabrina Leal Garcia widmet sich dem Zusammenspiel von Psyche, Darm und Vagusnerv und liefert interdisziplinäre Perspektiven auf die Gut-Brain-Communication.
Freuen Sie sich auf ein vielseitiges Programm mit international renommierten Referentinnen und Referenten, die neueste Forschungsergebnisse und praxisrelevante Impulse vorstellen.

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22. November 2025

60. ÄGHE-Fortbildungstagung in Hamburg & ONLINE

In Kooperation mit dem Zentrum für Onkologie am UKE Hamburg

Gastgeber: Prof. Dr.med. Matthias Rostock | Stiftungsprofessur Komplementärmedizin in der Onkologie
Zentrum für Onkologie, II. Medizinische Klinik & Hubertus Wald Tumorzentrum, Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH)
uke.de/kliniken-institute/zentren/universit%C3%A4res-cancer-center-hamburg-(ucch)

Thema: Fasten & Ernährung in der Onkologie
  • Leitlinien integrative Onkologie
  • Mikrobiologie
  • Ernährung
  • Misteltherapie
  • Schmerztherapie
  • Kurzfasten bei Chemotherapie
  • NAKO Studienzentrum Hamburg
  • Podiumsdiskussion
Tagungsort:
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Fritz-Schumacher-Hörsaal
Gebäude N30, Erdgeschoss
Martinistraße 52
20251 Hamburg

Das genaue Programm wird demnächst bekannt gegeben: aeghe.de


Weitere Termine

24.-28. September 2025

149. ZAEN-Kongress in Freudenstadt

kongress.zaen.org

29. Oktober – 02. November 2025

58. Medizinische Woche in Baden-Baden

AEGHE Vorträge zu Ernährungs- und Fastenthemen, Fastentherapie in der Praxis.
Programm unter aeghe.de

02.-09. Dezember 2025

ZAEN Weiterbildung Naturheilverfahren - Kurs IV mit Selbsterfahrung Heilfasten am Bodensee

Kurpark-Klinik Überlingen
Dr.med. Christian Kuhn, Dr.med. Gunther Hölz
zaen.org/weiterbildung-zusatzbezeichnung/fastentherapie

Tagungsbericht

Fachbeiträge von der 59. ÄGHE-Fortbildungstagung in Marienkron & Online

Am 23. November 2024 fand die 59. Tagung der ÄGHE im traditionsreichen Kurhaus Marienkron im Burgenland statt. Gastgeberin war die Kurärztliche Leiterin Dr. med. Ulrike Göschl und Direktorin Elke Müller, die mit großem Engagement durch das vielseitige Programm führten. Die Veranstaltung erfreute sich großer Resonanz: Rund 95 Mitglieder, Kolleginnen und Kollegen sowie Freunde der Fastentherapie kamen vor Ort zusammen, während knapp 60 weitere Teilnehmende die Vorträge online verfolgten.

Das Themenspektrum war breit gefächert und hochaktuell. Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Themen wie die Rolle der Ernährung bei stillen Entzündungen („Silent Inflammation“), der Einsatz von KI und MultiOmic-Analysen im Kontext der Longevity sowie das praktische Management von „Fastenkrisen“. Ein geselliges Rahmenprogramm, inklusive einer Exkursion zum Nationalpark Neusiedler See, bot den perfekten Rahmen für kollegiale Gespräche und Networking.

Das Kurhaus Marienkron überzeugte erneut mit seiner idyllischen Lage und exzellenten Ausstattung, die optimale Voraussetzungen für eine gelungene Fortbildung. Die Teilnehmenden nutzten die inspirierende Atmosphäre, um sich zu aktuellen Themen des Heilfastens auszutauschen und wertvolle Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen.

Vorstellung des Kurhauses Marienkron

Chefärztin Dr. Ulrike Göschl und Direktorin Elke Müller präsentierten im Rahmen der Tagung das Kurhaus Marienkron.
Fastenangebote und Flexibilität: Das Kurhaus bietet verschiedene Fastenformen an, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Neben den klassischen stationären Aufenthalten besteht auch die Möglichkeit, ambulante Fastenaufenthalte zu buchen. Das Spektrum der angebotenen Methoden umfasst: Intervallfasten, Suppenfasten, Saftfasten und Gemüse.SUSHI-Fasten!
Besonderer Wert wird auf die Wahrnehmung und Qualität der Ernährung gelegt. Statt des klinischen Begriffs "Kostform" wird bewusst von "vegetarischer Kulinarik" gesprochen, um den Genussaspekt in den Vordergrund zu stellen. Der Speiseplan ist strukturiert und bietet freitags Fisch an.
Zur Unterstützung des Kurerfolgs werden verschiedene diagnostische und therapeutische Maßnahmen angeboten:
Spezialisierte Teemischungen: Für spezifische Beschwerden wie Bauch-, Nieren- oder Kopfprobleme stehen eigens entwickelte Teemischungen bereit.
Diagnostische Checks: Den Gästen stehen moderne Analyseverfahren zur Verfügung, darunter der Cardio-Scan und die Bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA) zur Bestimmung der Körperzusammensetzung. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts sind die Nachsorgetage. Diese dienen der langfristigen Sicherung des Therapieerfolgs. Das Nachsorgeprogramm beinhaltet nicht nur einen ärztlichen Kontrolltermin, sondern auch Termine in anderen Abteilungen des Hauses, um eine ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten.

Longevity, Multi-Omic-Analysen und KI

Dr. Slaven Stekovic | Molekularbiologe, Langlebigkeitsforscher und Gründer der Aeterna Omics Health GmbH

Dr. Stekovic präsentierte einen hochmodernen Ansatz, um die gesunde Lebensspanne zu verlängern.
Stekovic stellte die Dominanz des Lebensstils eindrucksvoll klar, dass der Alterungsprozess nur zu einem geringen Teil genetisch vorbestimmt ist. Etwa 90 % werden durch den individuellen Lebensstil beeinflusst. Als die vier entscheidenden Säulen für ein gesundes Altern identifizierte er: Sport und regelmäßige Bewegung, Eine vollwertige Ernährung, ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf, psychische Gesundheit und soziale Kontakte.
Moderne Diagnostik: Multi-Omic-Analysen und KI
Der Kern seines Ansatzes liegt in der Verbindung von Lebensstil-Optimierung mit personalisierter, datengestützter Diagnostik . Anstatt allgemeiner Empfehlungen setzt Stekovic auf Multi-Omic-Analysen, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertet werden, um maßgeschneiderte Gesundheitsstrategien zu entwickeln. Anhand einer Folie zur „Stoffwechsel-Fitness“ wurde dies eindrucksvoll veranschaulicht. Diese detaillierten Analysen umfassen eine Vielzahl von Biomarkern, darunter: Marker für oxidativen Stress (z.B. Glutathion), Entzündungsmarker, Aminosäuren und Steroidhormone, Indikatoren für die Ernährungsweise etwa Koffein-Metabolismus.
Ein zentrales Beispiel für diesen datengestützten Ansatz ist die zunehmende Bedeutung von Lipoprotein(a) (Lp(a)) in der Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Stekovic betonte, dass Lp(a) als unabhängiger und weitgehend genetisch bestimmter Risikofaktor für Atherosklerose immer stärker in den Fokus rückt. Eine alleinige Betrachtung des LDL-Cholesterins sei oft nicht ausreichend. Eine Messung des Lp(a)-Wertes liefere entscheidende Zusatzinformationen. Bei einem unauffälligen Lp(a)-Befund könne die Notwendigkeit zur Einnahme von Cholesterinsenkern neu bewertet und potenziell als weniger dringlich eingestuft werden.

Präklinische Suche nach kalorischen Restriktionsmimetika

Assoz.Prof. Dr. Didac Carmona-Gutierrez | Institut für Molekulare Biowissenschaften, Uni Graz

Dr. Didac Carmona-Gutierrez stellte die neuesten Erkenntnisse zur präklinischen Suche nach kalorischen Restriktionsmimetika vor. Bereits seit den 1930er Jahren ist aus Studien an Mäusen und Affen bekannt, dass eine Kalorienrestriktion die Lebensdauer signifikant verlängern kann. Im Zentrum des Vortrags stand das Flavonoid DMC, das ursprünglich aus Hefe isoliert wurde. DMC fördert die Autophagie, einen zellulären Selbstreinigungsprozess, der den Schutz vor schädlichen Einflüssen verbessert und dadurch das Altern verlangsamen kann.
Besonders interessant ist, dass DMC in der Pflanze Ashitaba nachgewiesen werden konnte. Ashitaba wird in Japan traditionell als Tee konsumiert, wobei vor allem die Stängel und Blätter genutzt werden – die Wurzeln enthalten kein DMC. In der japanischen Kultur gilt Ashitaba seit über tausend Jahren als „Elixier des Lebens“. Abschließend erwähnte Dr. Carmona-Gutierrez, dass in Bezug auf DMC eine Patentanmeldung läuft, zu deren Inhalten er jedoch aus rechtlichen Gründen keine weiteren Details geben konnte.

Fasten, Diabetes, und Adipositas

Assoc.Prof. Dr.med. Yvonne Winhofer | Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel, Uniklinik für Innere Medizin III am Allgemeinen Krankenhaus Wien

Im Vortrag von Dr. Yvonne Winhofer wurde die komplexe Beziehung zwischen Fasten, Diabetes und Adipositas beleuchtet. Dr. Winhofer erläuterte, dass nicht nur die Kalorienmenge entscheidend für die Gewichtszunahme ist, sondern auch die Konsistenz und der Verarbeitungsgrad der Nahrung eine wesentliche Rolle spielen. So führen beispielsweise Lebensmittel wie Burger, Fast Food oder Smoothies aufgrund ihrer Konsistenz zu einer geringeren Sättigung. Zudem kann das Gehirn die auf dem Teller vorhandene Kalorienmenge oft nicht richtig erfassen, was häufig zu Überessen führt.
Ein weiterer wichtiger Punkt war das Intervallfasten (IF). Hier zeigte Dr. Winhofer, dass eine späte Abendmahlzeit den Hunger verstärkt und den Energieumsatz reduziert, was wiederum zu einer Gewichtszunahme führen kann. Ebenso kann das Zwingen zum Frühstücken kontraproduktiv sein und ebenfalls eine Zunahme des Körpergewichts zur Folge haben.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung von Ernährungsgewohnheiten und Fastenmethoden im Kontext von Diabetes und Adipositas.

Aktuelle Langzeitfastenstudien – Buchinger Wilhelmi‘s Forschungsteam

Dipl. oec. troph. Carolin Breinlinger. | Charité–Universitätsmedizin Berlin und Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannse
Im Vortrag von Carolin Breinlinger wurden die Ergebnisse einer internationalen Konsensstudie zur Standardisierung von Fastenbegriffen vorgestellt. Die Studie, veröffentlicht im August 2024 in Cell Metabolism, wurde von einem internationalen Expertengremium durchgeführt. Ziel war es, die in Wissenschaft und Praxis bislang uneinheitlich verwendeten Begriffe rund um das Fasten zu vereinheitlichen und klar zu definieren.
Im Rahmen eines Delphi-Prozesses einigten sich 38 Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen auf folgende zentrale Definitionen:
Fasten: Freiwilliger Verzicht auf alle oder bestimmte Nahrungsmittel und/oder Getränke für einen festgelegten Zeitraum.
Modifiziertes Fasten: Energieaufnahme von maximal 25 % des täglichen Bedarfs während der Fastenperiode.
Flüssigfasten: Fastenform, bei der ausschließlich Flüssigkeiten (z. B. Wasser, Tee, Brühe) konsumiert werden.
Kurzzeitfasten: Fasten über einen Zeitraum von 2–3 Tagen.
Langzeitfasten: Fasten über mindestens vier aufeinanderfolgende Tage.
Religiöses Fasten: Fasten im Rahmen religiöser oder spiritueller Praktiken.
Wechsel-Tage-Fasten (Alternate-Day Fasting): Wechsel zwischen Tagen mit Fasten und Tagen mit normaler Ernährung.
Intervallfasten (Intermittent Fasting): Wiederholte Fastenperioden von bis zu 48 Stunden, meist in einem regelmäßigen Rhythmus.
Zeitlich beschränktes Essen (Time-Restricted Eating): Nahrungsaufnahme nur innerhalb eines festgelegten Zeitfensters pro Tag.
Fastenimitierende Diät (Fasting-Mimicking Diet): Diät, die durch gezielte Nährstoffzusammensetzung Fasteneffekte nachahmt.
Diese Definitionen sollen die Kommunikation und Vergleichbarkeit in Forschung, klinischer Praxis und Öffentlichkeit erleichtern und einen Beitrag zu mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit verschiedenen Fastenformen leisten.
Die genannten Definitionen und Inhalte entsprechen der Publikation: Koppold DA et al.:International consensus on fasting terminology. Cell Metab. 2024 Aug 6;36(8):1779-1794.e4. PMID: 39059384

Macht Glucosemonitoring beim Fasten Sinn?

Dr.med. Rainer Stange | Charité–Unimedizin Berlin und Immanuel Krankenhaus, Abt. f. Naturheilkunde, Berlin-Wannsee

Im Vortrag präsentierte Dr.Rainer Stange eigene Erfahrungen und aktuelle Erkenntnisse zum Blutzuckerverlauf während des Fastens. Anhand von Glukoseprotokollen zeigte er, dass der Blutzucker bei gesunden Personen im Verlauf einer Fastenperiode typischerweise auf Werte um 60 mg/dl absinkt, wobei das Minimum meist ab dem 7. Fastentag erreicht wird. Dr. Stange führte hierzu auch einen Selbsttest durch und illustrierte die Dynamik der Glukosewerte unter verschiedenen Fastenbedingungen.
Er betonte, dass bei gesunden Menschen diese niedrigen Blutzuckerwerte in der Regel unproblematisch sind. Bei Typ-2-Diabetikern hingegen ist eine sorgfältige Überprüfung und ggf. Anpassung der Medikation unerlässlich, um Hypoglykämien zu vermeiden. Die kontinuierliche Glukosemessung mittels Sensoren kann hier einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit leisten und wird bereits als Standard in der Diabetestherapie eingesetzt.
Dr. Stange hob hervor, dass die Forschung zum Glucosemonitoring beim Fasten noch am Anfang steht und weitere Studien notwendig sind, um den Nutzen – insbesondere für Gesunde – besser zu bewerten. Aktuell wird untersucht, ob Intervallfasten (IF) anhand individueller Blutzuckerprofile optimiert werden kann. Die Messung des Blutzuckers könnte künftig helfen, Fastenprotokolle besser auf den Stoffwechsel einzelner Personen abzustimmen. Zudem werden technische Innovationen wie Smartwatches mit Glukosemessfunktion zunehmend verfügbar und könnten das Monitoring in Zukunft weiter vereinfachen.
Abschließend lautete das Fazit: Für Diabetiker ist das Glucosemonitoring während des Fastens sinnvoll und sicherheitsrelevant, für gesunde Menschen ist der Nutzen bisher begrenzt, könnte aber durch weiterführende Forschung genauer bestimmt werden

Fasten in der Dermatologie

Dr. med. Anika Rajput-Khokhar | Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Im Vortrag präsentierte Dr. Anika Rajput-Khokhar den aktuellen Stand der Forschung zum Einfluss des Fastens auf die Hautgesundheit. Sie betonte, dass in diesem Bereich noch viele Fragen offen sind und die wissenschaftliche Datenlage bislang begrenzt ist.
Erste Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass Fasten nicht nur einen positiven Effekt auf die gesunde Haut hat, sondern auch bei Wundheilung, entzündlichen Hauterkrankungen sowie bei chronisch kranker Haut unterstützend wirken kann. Um diese vielversprechenden Ansätze weiter zu untersuchen, hat Dr. Rajput-Khokhar für das kommende Jahr Fördermittel für eine eigene Studie erhalten. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Effekte des Fastens auf verschiedene dermatologische Krankheitsbilder systematisch zu erfassen und so die wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Therapieempfehlungen zu stärken.
Der Vortrag machte deutlich, dass das Thema Fasten in der Dermatologie ein spannendes Forschungsfeld mit großem Potenzial darstellt, das in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Ursachen und Management der sogenannten Fastenkrisen

Dr. med. Rainer Matejka | 1. Vorsitzender der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE)

Im Vortrag erläuterte Dr. Rainer Matejka die vielfältigen Auslöser und den praktischen Umgang mit Beschwerden während des Fastens. Zu den häufigsten Ursachen einer Fastenkrise zählen Hypoglykämien, das sogenannte „Kofferpacksyndrom“ des Körpers (eine Art Stressreaktion zu Beginn des Fastens), das Fehlen von Umschalttagen – insbesondere ohne rechtzeitigen Kaffeeentzug –, ein Mangel an Natrium sowie ein insgesamt hohes Stresslevel.
Dr. Matejka betonte, dass die Vorbereitung auf das Fasten entscheidend ist, um Krisen zu vermeiden. Dazu gehört vor allem, den Koffeinkonsum bereits vor Beginn zu reduzieren, ausreichend Natrium zuzuführen und Stress möglichst zu minimieren.
Auch das bewusste Einplanen von Umschalttagen, an denen die Ernährung bereits vor dem eigentlichen Fasten angepasst wird, kann helfen, den Körper sanft auf die Umstellung vorzubereiten.
Im Management der Fastenkrise steht die individuelle Betreuung im Vordergrund. Hierzu zählen die ärztliche Überwachung, das frühzeitige Erkennen von Symptomen und gegebenenfalls die Anpassung des Fastenregimes. Dr. Matejka unterstrich, dass Fastenkrisen in den meisten Fällen gut beherrschbar sind, wenn auf die genannten Faktoren geachtet wird und eine fachkundige Begleitung erfolgt.

Nutritional Psychiatry

Prof. DDr. Sabrina Leal Garcia | KlinischenAbteilung für medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Universität Graz

Prof. Garcia präsentierte aktuelle Erkenntnisse und Herausforderungen der Ernährungspsychiatrie. Die 2018 gegründete Abteilung ist heute sehr gefragt, insbesondere bei Patientinnen und Patienten, die nach erfolglosen Therapien neue Wege suchen.
Etwa 30 % der psychisch Erkrankten bleiben bislang therapieresistent, was die Bedeutung innovativer Ansätze wie der Ernährungspsychiatrie unterstreicht. Trotz intensiver Forschung fehlt es noch an zusammengeführten Erkenntnissen und einer breiten praktischen Anwendung.
Ernährung ist im Psychologiestudium ein selten gewähltes Wahlfach (unter 5 % der Ärztinnen und Ärzte). Dennoch empfiehlt etwa die Hälfte der Befragten spezielle Ernährungsformen oder Diäten. In der Klinik stehen Standardlaboruntersuchungen im Fokus, insbesondere Eisen (bei Frauen oft mangelhaft, Ferritin Mindestwert 70), Vitamin D (wichtig für den Serotoninstoffwechsel) und Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA), die für die Membranpermeabilität entscheidend sind. Der CRP-Wert wird ebenfalls bestimmt, da Werte zwischen 3 und 5 auf entzündete Zellen hinweisen können, die psychische Probleme verursachen.
Ein Schwerpunkt bei Garcias Vortrag lag auf sogenannte Psychobiotika – Bakterien, die die Produktion stressregulierender Neurotransmitter beeinflussen und dadurch Gefühlslage, Stressresilienz und Emotionen verbessern. Dies steht im Zusammenhang mit der Neurotransmittermangeltherapie. Spezifische Bakterien für einzelne Krankheitsbilder wie Depressionen oder Angstzustände existieren nicht; meist wird eine Multispeziesbehandlung eingesetzt.
Die Relevanz der Darm-Hirn-Achse und Mikrobiologie für die Psyche ist seit 1900 bekannt. Viele Patientinnen und Patienten zeigen hohe Zonulinwerte und ein Leaky-Gut-Syndrom. Eine Studie mit etwa 40 Personen zeigte, dass 30 % der mit Multispeziesprobiotika behandelten Patienten eine verbesserte Vagusnervreaktion hatten. Auch eine ketogene Ernährung wirkt sich bei manchen Patienten positiv auf die Psyche aus, ähnlich wie bei Epilepsie, ist jedoch schwer dauerhaft einzuhalten. In einer Studie erreichten 40 % der Teilnehmenden nach 50 bis 80 Tagen Keto-Ernährung eine Remission. In Prof. Leal Garcias Klinik wird daher vor allem die mediterrane Kost empfohlen, ergänzt durch eine mindestens zweimal tägliche Supplementierung mit Multispeziesprobiotika.
Der Vortrag zeigte eindrucksvoll die Komplexität und das Potenzial der Ernährungspsychiatrie als wachsendes Forschungsfeld mit großer Bedeutung für die Behandlung psychischer Erkrankungen. Zum Abschluss empfahl die Referentin die Bücher „Die entzündete Seele“ und „Ernährung für die Psyche – das Kochbuch“.

Der Lehrreiche Fall zur Fastentherapie

Dr. med. Eva Lischka | Klinik Buchinger-Wilhelmi in Überlingen

Dr. Eva Lischka stellte praxisnahe Fälle zur Fastentherapie vor und gab damit einen Einblick in die Anwendung und Herausforderungen des Buchinger-Heilfastens im klinischen Alltag.
Die vorgestellten Fälle zeigen die Wirksamkeit und das breite Anwendungsspektrum der Fastentherapie, verdeutlichen aber auch die Notwendigkeit einer sorgfältigen ärztlichen Begleitung, insbesondere bei multimorbiden Patienten oder gleichzeitiger Medikation. Die Fastentherapie nach Buchinger wird als bewährter Weg zur Behandlung chronischer Erkrankungen verstanden und betont die Bedeutung eines interdisziplinären Ansatzes mit individueller Betreuung.
Fall 1: Ein Patientin litt unter Osteopenie, Menopausebeschwerden und Gewichtszunahme. Während eines 8-tägigen Fastens sank ihr Gewicht von 61,5 auf rund 57,5 kg. Am achten Tag kam es zu einer schweren Hypoglykämie durch ein falsch deklariertes Ozempic-Präparat, was eine Notfallbehandlung erforderte. Patienten müssen künftig schriftlich bestätigen, keine GLP-1-Analoga während des Fastens zu verwenden.
Fall 2: Ein Patient mit mehreren Vorerkrankungen absolvierte 21 Fastentage mit unterstützender Therapie. Das Gewicht sank von 119 auf rund 102 kg, und Rheumaschmerzen verschwanden. Nach einer Belastungsdyspnoe und Hb-Abfall war eine stationäre Behandlung nötig. Eine erneute Fastenkur verlief komplikationslos mit weiterem Gewichtsverlust und verbesserten Laborwerten.

Studien

Forschung sucht Probanden für naturheilkunde.immanuel in Berlin

Die renommierte Abteilung für Naturheilkunde unter der Leitung von Prof. Michalsen am Immanuel Krankenhaus Berlin sucht engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer für aktuelle wissenschaftliche Studien an der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde.

Möchten Sie einen wertvollen Beitrag zur Forschung leisten?
Seien Sie Teil der Naturheilkunde Forschung – Ihre Teilnahme zählt!

Entdecken Sie die laufenden Studien in den Schwerpunktbereichen der Naturheilkunde:
naturheilkunde.immanuel.de/forschung/aktuelle-studien

Kommentar

Sind Darmreinigungen im Fasten unnütz oder schädlich?

Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) bezieht sich auf die Behauptung, dass einmalige oder mehrmalige Darmreinigungen im Fasten unnütz oder gar schädlich seien.
Bezugnahme auf das Ende 2024 erschienene Buch „Der neue Fastencode – Warum die Darmreinigung das Mikrobiom schwächt“ von Michaela Axt-Gadermann und Johanna Katzera, Südwest-Verlag, 2024.
Im Text sind keine Quellen zitiert, während die am Buchende erwähnte Literatur nicht-relevante Quellen auflistet sowie maßgebliche Studien ausspart.


Historische Perspektive und empirische Erfahrungen
Darmreinigungsverfahren haben eine lange Geschichte, von den alten Ägyptern, der ayurvedischen Medizin bis hin zu den in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum an hunderten Akutkliniken – einschl. Universitätskliniken – verbreiteten „subaqualen Darmbädern“.
Studien aus den 1970er und 80er Jahren zeigten bereits, dass im Darm potenziell zelltoxische Fäulnis- und Gärungsprodukte entstehen können, deren Ausleitung über Darmreinigungsverfahren ausdrücklich wünschenswert ist. In den traditionsreichen Fastenkliniken wie der Klinik Buchinger-Wilhelmi oder Malteser Klinik von Weckbecker werden seit mindestens 80 Jahren zum Teil tägliche erweiterte Einläufe während des Fastens durchgeführt, mit regelmäßig berichteten positiven Effekten v.a. bei Kopfschmerzen, Migräne und Stimmungstiefs.


Sicherheit und Nutzen von Darmreinigungen
Die einmalige Gabe von Glaubersalz sowie wiederholte Wasserspülungen im Rahmen einer Fastentherapie sind nicht als schädlich einzustufen.Diese Maßnahmen dienen der Darmentleerung zu Beginn des Fastens, können den Fastenden im Fastenprozess unterstützen und das Darmmikrobiom positiv beeinflussen. Ein Herausspülen des Mikrobioms ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil die maßgebliche wandständige Darmflora eine hohe Adhäsivität aufweist. Allenfalls kann von einem gewissen Verdünnungseffekt auf die lumenständige Darmflora ausgegangen werden. Im Nachgang durchgeführte mikrobiologische Stuhlanalysen zeigen regelmäßig keine Hinweise auf eine stark dezimierte physiologische Darmflora wobei Reaktionen von Lakto- und Bifidobakterien häufig auch bei klinisch unauffälligen Personen gefunden werden – völlig unabhängig von Darmreinigungsverfahren.


Darmreinigung konnten Parkinsonsymptome reduzieren
Eine jüngere Fall-Kontroll-Studie (2020) zeigte, dass eine vegetarische Diät mit 8 Darmspülungen motorische Symptome und Medikamentenbedarf bei Parkinson-Patienten verringern kann. Das Mikrobiom wies bei Betroffenen weniger Prevotellaceae und Bacteroidetes, aber mehr Actinobacteria und Firmicutes auf. Unter zusätzlicher Darmspülung sank Clostridiaceae signifikant.


Relevante Studien: Maifeld A, et al. Fasting alters the gut microbiome reducing blood pressure and body weight in metabolic syndrome patients. Nat Commun. 2021;12(1):1970 // Hegelmaier T, et al. Interventional Influence of the Intestinal Microbiome Through Dietary Intervention and Bowel Cleansing Might Improve Motor Symptoms in Parkinson’s Disease. Cells. 2020;9(2):376 // Wilhelmi de Toledo F, et al: Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLoS ONE 2019, 14(1) // Wilhelmi de Toledo F, et al: Fasting therapy – an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. Forsch Komplementmed. 2013;20(6): 434-43 // Häupl T, et al. Intestinal Microbiota Reduction Followed by Fasting Discloses Microbial Triggering of Inflammation in Rheumatoid Arthritis. J Clin Med. 2023;12(13):4359 // Lilja S, et al. Five Days Periodic Fasting Elevates Levels of Longevity Related Christensenella and Sirtuin Expression in Humans. Int J Mol Sci. 2021;22(5):2331 // Werner A. Einfluss einer fünftägigen ambulanten Fastenkur nach Buchinger-Lützner in Kombination mit einem Gesundheitstraining auf den Allgemeinzustand gesunder Probanden, insbesondere auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms (Masterarbeit). Inst. f. Agrar- und Ernährungswiss., MLU Halle-Wittenberg, 2021 // Mesnage R, et al. Changes in human gut microbiota composition are linked to the energy metabolic switch during 10 d of Buchinger fasting. J Nutr Sci. 2019 Nov 12;8:e36)


Fazit
Es ist wichtig zu beachten, dass individuelle Faktoren wie das Ausgangs-Mikrobiom, die Ernährung vor, während und nach dem Fasten und der Gesundheitszustand die Effekte auf den Darm maßgeblich beeinflussen können. Fastenprotokolle mit Darmreinigungen können das Darmmikrobiom positiv beeinflussen, der Forschungsumfang ist jedoch begrenzt. Gut konzipierte Studien sind nötig, um die Auswirkungen von Fasten mit regelmäßigen Darmreinigungen auf das Darmmikrobiom besser zu verstehen. Hierzu haben die Kliniken Buchinger-Wilhelmi ein Forschungsprojekt in Arbeit: fastforward.bw-clinics.com

aerztegesellschaft-heilfasten.de/faqs

Bücher

Der überarbeitete Klassiker "Wie neugeboren durch Fasten"

wie neugeboren durch fasten
Seit 50 Jahren vertrauen Millionen Menschen dem Dr. Hellmut Lützner und seinem Klassiker für selbstverantwortliches Fasten. Jetzt als vollständig neu bearbeitete, erweiterte Auflage: wie gewohnt praxisnah, mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuen veganen Rezepten.
Dr. med. Hellmut Lützner (1928-2020) war Fastenarzt und Internist. Als Chefarzt der Kurpark-Klinik Überlingen behandelte er Tausende Patienten mit Heilfasten und etablierte 1976 mit diesem Buch das »Fasten für Gesunde«. Der in 15 Sprachen übersetzte Long- und Bestseller wurde von den Ernährungswissenschaftlern Dr. Edmund Semler und Andrea Chiappa überarbeitet. Beide sind langjährige Begleiter von Dr. Lützner und ausgewiesene Fastenexperten.

Wie neugeboren durch Fasten - Das 5-Tage-Fasten-Programm / Mit 25 bewährten Rezepten
160 Seiten | ISBN 978-3-8338-8268-5 | Erschienen am 21.12.2024 als Buch und eBook

In eigener Sache

Neue Kraft im Büro - Diana Baumgartl löst Caro Breinlinger ab

Der Vorstand freut sich, Diana Baumgartl im ÄGHE-Büro willkommen zu heißen. Sie übernimmt ab sofort die wichtige Aufgabe der Mitgliederbetreuung und Buchhaltung und tritt damit die Nachfolge von Caro Breinlinger an.
Der gesamte Vorstand bedankt sich herzlich bei Caro Breinlinger für die sehr gute Zusammenarbeit und ihr großes Engagement in den vergangenen Jahren.
Frau Baumgartl bringt vielfältige Erfahrungen mit: Seit 12 Jahren fastet sie regelmäßig und ist seit 2019 ärztlich geprüfte Fastenleiterin dfa. Sie hat Kommunikationswissenschaften studiert und lebt in Brandenburg.
Wir wünschen Diana Baumgartl einen erfolgreichen Start und freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit!
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