Newsletter-2011

8. Ausgabe: Erschienen 10.2011

 

VORSTAND & MITGLIEDER
Begrüßung neuer Mitglieder
Neuer Imageflyer der ÄGHE

TERMIN & NOTIZ
40. Fortbildungstagung am 29.10.2011 in Baden-Baden
41. Fortbildungstagung am 30.06.2012 in München
ZAEN-Weiterbildung mit Fastenselbsterfahrung in Überlingen
122. ZAEN-Kongress: 21.03.-25.03.2012
123. ZAEN-Kongress: 19.09.-23.09.2012

BERICHTE & BEITRÄGE
25 Jahre Jubiläumstagung und 14. Fastenärztetagung 2011 in Überlingen

WISSEN & WERT
Alle paar Tage fasten: Kalorienrestriktion als Krankheitsvorbeugung?
„Essen und Fasten für das Klima?“ von Dr. oec.troph. Karl von Koerber

BUCH & TIPP
„Weg mit den Pillen!“ Eine Streitschrift von Prof. Dr.Dr.phil. Harald Walach

Vollständiger Newsletter als pdf: Aerztegesellschaft Heilfasten __ Newsletter-2011

Liebes Mitglied der ÄGHE,

Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir im Juni unsere 14. Fastenärztetagung jubilaeumstagungklein.gifabhalten und 25 Jahre Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung feiern. Die Tagung fand in Kombination mit den Internationalen Kneipp-Aktionstagen unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Annette Schavan statt, die über 3000 Besucher nach Überlingen lockten. Die Vorträge waren sehr gut besucht und der Gesellschaftsabend am Samstag erfreute mit mediterranem Buffet, dem Kabarettisten Bernard Ludwig und Tanzmusik. Im nunmehr 8. Newsletter der Gesellschaft finden Sie die Abstracts der Überlinger Vorträge.
Zudem darf ich Sie ganz herzlich zu unserer 40. Fortbildungstagung der ÄGHE am Samstag den 29. Oktober im Rahmen der Medizinischen Woche in die Kongreßhalle in Baden Baden einladen. Hier warten spannende Themen von rennomierten Referenten auf uns: Ernährung und Säure-Basen-Haushalt, Fasten und Leaky gut, neue Studien über Fasten und Ernährung sowie Fasten und Religion. Natürlich werden auch wieder besondere Fastenverläufe präsentiert.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen des Newsletters 2011.
Dr. med. Eva Lischka mit dem Redaktionsteam Dr. med. Rainer Matejka und Andrea Chiappa

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VORSTAND & MITGLIEDER

Begrüßung neuer Mitglieder
Im Namen aller Mitglieder heisst der Vorstand der ÄGHE folgende 8 neue Mitglieder herzlich willkommen!

Frau Dr.oec.troph. Angelika Dietz, Villingen-Schwenningen
Herr Dr.med. Roger Brandes, Gesundheitsresort Tannerhof, Bayrischzell
Frau Dipl.med. Annette Hirsch, Bad Brückenau
Frau Dr.med. Heidi Boschmann, Potsdam
Herr Jerzy Gintrowicz, Arzt, Berlin
Herr Dr.med. Michael Misgeld, Berlin
Herr Dr.med. Sebastian Schmidt, Erfurt
Frau Marie Spiesmeier, Fastenleiterin (dfa), Buchkirchen, Österreich

Derzeit zählt die Ärztegesellschaft 126 Mitglieder.

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VORSTAND & MITGLIEDER

Neuer Imageflyer der ÄGHE
Ab sofort stehen jedem Mitglied unsere Faltbroschüren zur Verfügung. Gerne können diese auf Tagungen, im Praxiswartezimmer oder in Kliniken ausgelegt werden.
In der Broschüre beschreibt die Gesellschaft ihre Statuten und zählt ihre Ziele und Aktivitäten auf. Zudem werden Interessenten auf unsere informationsreichen Webseiten verwiesen.
Bestellt werden können die kostenfreien Broschüren der ÄGHE unter der Tel-Nr. +49 (0)7551 – 807 0 – per Fax: +49 (0)7551 – 807 189 oder per Email: info@aeghe.de

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TERMIN & NOTIZ

Samstag, 30.06.2012
Die 41. Fortbildungstagung der ÄGHE

im Krankenhaus für Naturheilweisen Harlaching, Fachklinik für Innere Medizin, Naturheilverfahren und Homöopathie – Chefarzt Dr.med. Benno Ostermayr
Seybothstrasse 65, D-81545 München-Harlaching, Telefon (089) 625 05-0, www.krankenhaus-naturheilweisen.de
Das Programm wird rechtzeitig bekannt gegeben.

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TERMIN & NOTIZ

Samstag, den 29.10.2011
Die 40. Fortbildungstagung und 25 Jahre Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung im Rahmen der 45. Medizinischen Woche in Baden-Baden

Alle Vorträge finden im Kongresssaal 2 statt.

15:00 Begrüßung und Einführung – Dr.med. Eva Lischka, Überlingen

15:05 Ernährung und Säure-Basen-Haushalt: Sind wir alle chronisch übersäuert? – Dr.oec.troph. Edmund Semler, Engelhartstetten (Österreich)

15:30 Fasten bei Patienten mit Leaky gut: Was ist zu beachten? – Dr.med. Dietrich Göthel, Bergisch-Gladbach

16:00 Pause und Besuch der Fachausstellung

16:30 Interessante Fallvorstellungen – Dr.med. Eva Lischka, Überlingen

17:00 Neue Publikationen zu Ernährung und Fasten – Prof. Dr.med. Andreas Michalsen, Berlin

17:30 Fasten und Religion – cand.med. Daniela Liebscher, Halle

18:00 – 18:30 Schlussdiskussion

Tagungsgebühren: Die Fortbildungstagung ist für Mitglieder der Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung kostenfrei. Die Gesellschaft erstattet 40,-€, bei Zusendung der Kongreßrechnung per Fax (07551-807189), Mail ( info@aeghe.de) oder Kopie an: ÄGHE e.V., Wilhelm-Beck-Str. 27, 88662 Überlingen.

Veranstaltungsort: Die Vorträge finden im Saal 2 des Kongresshauses (Augustaplatz 10, 76530 Baden-Baden) statt. www.medwoche.de

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TERMIN & NOTIZ

13. – 20. März 2012 Weiterbildungswoche Kurs II mit Selbsterfahrung in Heilfasten nach Buchinger in Überlingen am Bodensee.
Eine ZÄN-Weiterbildungswoche zum Erwerb der Zusatzbezeichnung ‚Naturheilverfahren‘. In Kooperation mit der ÄGHE.
Kurs II Schwerpunkt Ernährungemedizin und Phytotherapie

Wiss. verantw.: Dr.med. Christian Kuhn, Überlingen – Dr.med. Gunther Holz, Überlingen

Infos und Anmeldung: ZÄN – Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V., Am Promenadenplatz 1 – 72250 Freudenstadt, tel: + 49 (0) 74 41 – 91 85 8 – 0  web: www.zaen.de

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TERMIN & NOTIZ

ZAEN-Kongresse 2012 in Freudenstadt
Mit zahlreichen Beiträgen und Fachfortbildungen zu Themen der Naturheilverfahren und Regulationsmedizin.

122. ZAEN-Kongress: 21.03. – 25.03.2012

123. ZAEN-Kongress: 19.09. – 23.09.2012

Weitere Infos über die Geschäftsstelle Freudenstadt – Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren,  Am Promenadenplatz 1, 72250 Freudenstadt  web: www.zaen.de

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR

25 Jahre Jubiläumstagung und 14. Fastenärztetagung der ÄGHE vom 25. bis 26. Juni 2011 in Überlingen am Bodensee
in Zusammenarbeit mit den Kneipp-Aktionstagen 2011

Ein Tagungsbericht von Eva Lischka
Rund 150 Teilnehmer besuchten die große Jubiläumstagung der Gesellschaft im Überlinger Kursaal. In bester Lage zum Bodensee fand die Tagung erstmalig in Kooperation mit den Internationalen Kneippaktionstagen (früher ‚Kneippiade’) statt, deren siebte Austragung vom 23. – 26. Juni 2011 in Überlingen annähernd zeitgleich von ihrer Schirmherrin Frau Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan eröffnet worden war.

Raimund Wilhelmi überbrachte als stellvertetender Bürgermeister Grußworte der Stadt Überlingen.

Die Präsidentin des Kneipp Bundes e. V. Marion Caspers-Merk betonte in ihrem Grußwort an die ÄGHE die Notwendigkeit von Prävention und Gesundheitsförderung. Kneipp-Therapie und kombinierte Fastentherapie ergänzten sich diesbezüglich idealerweise.

Françoise Wilhelmi de Toledo präsentierte eine Retrospektive 25 Jahre ÄGHE und würdigte dabei liebevoll die alte Garde der Gesellschaft und damit der Fastentherapie insgesamt, unterfüttert mit zeitgenössischen Videos und amüsantem Bildmaterial. Hellmut Lützner, Frau Christa Lützner, Frau Gisela Falcone und Helmut Klepzig erhielten auf der Bühne lebhaften Applaus. Es wurde deutlich, dass die medizinische Praxis des Fastens nur durch langwieriges und außergewöhnliches Engagement charismatischer Persönlichkeiten zu seiner heutigen Breite und Anerkennung geführt hatte.

Es folgte eine sehr bewegende Würdigung des Lebenswerks von Prof. Dr. med. Christine Uhlemann (25.08.1946 bis 14.12.2010), die sich auch sehr engagiert für die wissenschaftliche Erforschung der Fastentherapie eingesetzt und verdient gemacht hat.

Erstmalig wurde der Preis der Maria-Buchinger-Stiftung verliehen, an Sebastian Schmidt und Kathrin Stoy. Diese hatten am Kompetenzzentrum für Naturheilverfahren in Jena unter Leitung von Prof. Dr. med. Christine Uhlemann die Studie ‚Ambulantes Heilfasten und Arthrose’ durchgeführt und hielten darüber den Preisvortrag.

Michael Boschmann zeigte die neue Aspekte zu Energie- und Aminosäurenstoffwechsel im Fasten Aspekte des Eiweißstoffwechsels beim Fasten auf. Stefan Drinda erklärte den Einfluss des Fastens auf gängige Laborparameter.

s.o. Eva Lischka berichtete über besondere Fastenverläufe.

s.o. Rainer Stange zeigte mögliche Einflüsse der Ernährung auf Prävention und Therapie der Demenz.

Prof. Andreas Michalsen berichtete über neuere Ergebnisse der Grundlagenforschung der Ernähungsmedizin, die in der sog. kalorischen Restriktion in ihren vielen Varianten bis hin zum expliziten Fasten überraschende biopositive Wirkungen erkennt.

Der Sonntag wurde eröffnet durch einen spirituellen Impuls von Christian Kuhn.

Walter Kronsteiner erklärte die Wirkung des therapeutischen Fastens bei Diabetes mellitus 2. Bewährte Indikationen und Abrechnung des Fastens in der Allgemeinpraxis wurde anschaulich von Martha Ritzmann-Widderich vermittelt.

Im Anschluss stellten sich Institutionen vor, die Fasten für Gesunde durchführen, in den meisten Fällen auch entsprechende Weiterbildungen für Fastenleiter anbieten. Hans Helmut Martin für den Verband der Unabhängigen Gesundheitsberatung e. V. (UGB), Ralf Bodeutsch für die Deutsche Fastenakademie (dfa), Christoph Michel für die Fastenwanderzentrale, Eckart Heumeier für den Berufsverband Fasten und Ernährung, Eduard Pesina für die Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsförderung.

Es wurde deutlich, dass diese Praxis eine weite und stetig wachsende Verbreitung hat, aber auch qualifizierter Anleitung bedarf. Die hier vielleicht erstmalig sich in einem Plenum darstellenden führenden Persönlichkeiten des nicht von Ärzten angeleiteten Fastens verlassen sich in Fragen der wissenschaftlichen Begründbarkeit wie der Grenzen des Fastens gerne auf die Kooperation mit Fastenärzten, speziell der ÄGHE.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Prof. Dr. med. Christine Uhlemann (25.08.1946 – 14.12.2010 †): Verdienste um die naturheilkundliche Forschung

Frau Dr. Franςoise Wilhelmi de Toledo ehrte im Namen der Gesellschaft und des Kneippärztebundes das Lebenswerk von Frau Prof. Uhlemann.

Im Anschluss verlieh sie gemeinsam mit Raimund Wilhelmi, Sohn Maria Buchingers, den Preis der Maria Buchinger Stiftung an die Katrin Stoy und Sebastian Schmidt. Die forschenden Mediziner konnten Forschungsergebnisse aufzeigen, die auch für die Arthrose eine günstige Wirkung des Fastens nach der Methode Buchinger belegen.

Pressemeldung des Universitätsklinikums Jena vom 28.8.2011: Ausgezeichnete UKJ-Studie belegt Wirkung des Heilfastens

Verleihung des Maria Buchinger Foundation Preises 2011 ehrt posthum Prof. Christine Uhlemann

Jena. Mit einer klinischen Studie bei Patienten mit Arthrose konnte am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren am Universitätsklinikum Jena erstmals eine signifikante Wirkung des Heilfastens bei Gelenkerkrankungen nachgewiesen werden. Der kontrollierte Nahrungsverzicht bewirkte bei den 60 Testteilnehmern nicht nur eine Schmerzlinderung und gesteigertes Wohlbefinden, sondern auch eine Verbesserung der Gelenkfunktion. Für die Untersuchung erhielten jetzt die ehemaligen UKJ-Doktoranden Dr. Sebastian Schmidt und Katrin Stoy den mit 5000 Euro dotierten Maria Buchinger Foundationpreis 2011.

Mit der Übergabe des erstmals verliehenen Preises wird gleichzeitig posthum Prof. Christine Uhlemann geehrt, unter deren Leitung die Studie am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren des UKJ durchgeführt wurde. Prof. Uhlemann, die heute 65 Jahre alt geworden wäre, hatte bis zu ihrem Tod 2010 das von ihr aufgebaute Zentrum geleitet und eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zu Naturheilverfahren initiiert und durchgeführt.

Der Maria Buchinger Foundation Preis wurde zum Gedenken an die 2010 verstorbene Tochter des Begründers des Heilfastens Dr. Otto Buchinger ins Leben gerufen und wird für innovative Forschungsergebnisse zum Thema Heilfasten von der privaten Fastenklinik Buchinger Bodensee in Überlingen verliehen.

Kontakt:  Dr. Sebastian Schmidt, E-Mail: sebastianschmidt81@web.de – Katrin Stoy, E-Mail: katrin.stoy@googlemail.com

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Ambulantes Heilfasten bei Patienten mit Arthrose
Dr. med. Sebastian Schmidt und cand. med. Katrin Stoy

Im Rahmen einer unkontrollierten klinischen Studie wurde die Wirksamkeit des Heilfastens nach Buchinger im ambulanten Setting auf Schmerzempfinden, Befindlichkeit und Gelenkfunktion von 60 Patienten (50w, 10m; Alter 60,0 Jahre im Median) mit Arthrose [Fingergelenksarthrose (N=22), Coxarthrose (N=17) und Gonarthrose (N=21)] am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren des Universitätsklinikum Jena unter Leitung von Frau Prof. Dr. med. Christine Uhlemann (1946-2010) untersucht.
Nach Studieneinschluss unter genauester Berücksichtigung der Leitlinien zum Fasten (2002) erfolgte eine ausführliche biopsychosoziale Anamnese- und Befunderhebung (Baseline, BL). Die zweiwöchige Fastenintervention (1-15) setzte sich aus 3 Entlastungstagen (ET), 8 reinen Fastentagen (FT) und 4 Kostaufbautagen zusammen. 4 (I) und 12 (III) Wochen nach Fastenende fanden Nachuntersuchungen (Follow Up) statt.
Bewertungskriterien zum Schmerz umfassten die Globale Schmerzintensität (VAS), den arthrosespezifischen Schmerz bei Belastungs-, Anlauf- und Ruhebedingungen (VAS), den Analgetikakonsum, die Messung der Druckschmerzschwelle sowie den Einsatz des painDETECT-Fragebogens (Pfizer©). Zur Evaluation des Befindens kamen der SF-36-Questionnaire sowie der für Arthrose konzipierte WOMAC-Score zum Einsatz. Bezüglich Gelenkfunktion wurden anhand der Neutral-Null-Durchgangsmethode die Kennfunktions-ebenen o.g. Arthroseformen goniometrisch registriert. Ferner wurden Gewicht, BMI, Bauchumfang, Blutdruck und Puls dokumentiert. Umfangreiche paraklinische Laboruntersuchungen fanden statt. Alle Daten werden aktuell statistisch ausgewertet.

Erste Ergebnisse für eine Patientenzahl von N=30 liegen vor: Schmidt S, Stange R, Lischka E, Kiehntopf M, Deufel T, Loth D, Uhlemann C: Unkontrollierte klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose. Forsch Komplementmed 2010;17:87-94 (DOI: 10.1159/000285479).

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Fasten und Eiweiß: Verlust als Gewinn?
Dr. Michael Boschmann, Stephanie Jeran & Jochen Steiniger
Charité Universitätsmedizin Berlin, Franz-Volhard-Centrum für Klinische Forschung am Experimental & Clinical Research Center (ECRC)

Therapeutisches Fasten ist ein weit verbreiteter ernährungsmedizinischer Ansatz der Naturheilkunde bei Übergewicht / Adipositas und der damit einhergehenden Komorbiditäten. Das Saftfasten nach Buchinger stellt dabei eine Form des kohlenhydratsubstituierten modifizierten Fastens dar. Die physiologischen Anpassungsvorgänge des Körpers an die gegebene Nahrungsrestriktion führen zu einem sparsamen Umgang mit den vorhandenen Energiereserven. Ein Verlust von Körperprotein ist dabei nicht zu vermeiden und wird durch Umstellung auf vermehrte oder ausschließliche Nutzung von Derivaten des Fettstoffwechsels (freie Fettsäuren, Ketonkörper, Glycerol) zur Energiebereitstellung unter Reduktion des Glucose-Verbrauchs auf ein obligatorisches Minimum reduziert. Allerdings gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder warnende Hinweise, dass dieser Eiweißverlust während des Fastens gefährlich und lebensbedrohend sei.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Veränderungen der Körperzusammensetzung, des Energie- und Substratstoffwechsels und des Proteinverlustes während eines 4-wöchigen Saftfastens nach Buchinger in Abhängigkeit von Geschlecht, Body Mass Index (BMI) und körperlicher Aktivität (ohne (passiv) oder mit (aktiv) täglichem Ausdauer- und Krafttraining) zu untersuchen. Dazu wurden im Rahmen eines Therapieprogramms für Übergewichtige / Adipöse anthropometrische Daten (Körpermasse, KM), Körperzusammensetzung (Fettmasse, FM, fettfreie Masse, FFM mittels Hautfaltendickemessung), Energieumsatz und Fett-(FOX) und Kohlenhydrat-(COX) Oxidationsraten (indirekte Kalorimetrie), Stickstoff-(NEX) und Kreatinin-Exkretion im Urin, Proteinoxidationsraten (POX) und verschiedene Sicherheitsparameter im Blut vor, während und nach dem Fasten bestimmt.
Insgesamt konnten die Daten von 242 Frauen und 266 Männern in die Auswertung einbezogen werden. Die Patienten wurden entsprechend des BMI (Median) in jeweils 2 Gruppen eingeteilt: BMI < 32,5 kg/m2: low grade obese (LG OB); BMI > 32,5 kg/m2: high grade obese (HG OB). Der Verlust an KM und FFM war bei Männern > bei Frauen, der Verlust an KM, FM und FFM bei HG OB > bei LG OB, der Verlust an KM und FM bei Aktiven > bei Passiven. Die Reduktion des FM-Anteils an der KM war bei Aktiven > bei Passiven. Der 24h-EU sank zum Fastenende signifikant ab und war zu Fastenbeginn und -ende bei Männern > bei Frauen, bei HG OB > bei LG OB, und bei Aktiven > bei Passiven. Der RQ sank zum Fastenende signifikant (Abnahme der COX, Anstieg der FOX) und dieses bei Aktiven > bei Passiven. Die POX sank ebenfalls signifikant zum Fastenende, bei Männern > bei Frauen, und war zu Fastenbeginn und –ende bei Männern > bei Frauen. Der anteilige Proteinumsatz am 24h-EU verringerte sich zum Fastenende und war zu Fastenbeginn und -ende bei Männern > bei Frauen, bei Passiven > bei Aktiven. Die tägliche NEX und tägliche KM-Abnahme reduzierten sich mit jeder Fastenwoche und waren bei Männern > bei Frauen. Damit war der Anteil des Proteinverlustes am KM-Verlust nahezu unverändert, tendenziell jedoch bei Männern > bei Frauen. Die Gesamt-NEX über 21 Fastentage war bei LG OB > bei HG OB, und bei Aktiven > bei Passiven. Alle Sicherheitsparameter im Blut blieben mindestens im unteren Referenzbereich.
Somit ist das Saftfasten nach Buchinger eine wirkungsvolle, sichere und Protein sparende Methode zur Gewichtsreduktion. Die FM war deutlich stärker reduziert als die FFM und dieses bei HG OB > bei LG OB, bei Frauen > Männern; bei Aktivität > Passivität. Das initiale FM/FFM-Verhältnis ist offensichtlich entscheidend für den Verlust an Protein/FFM. Daher zeigen Frauen einen stärkeren Protein sparenden Effekt. Dies hat möglicherweise evolutionsbiologische Bedeutung.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Besondere Fastenverläufe
Dr.med. Eva Lischka, Klinik Buchinger, Überlingen

Der Vortrag kann hier als pdf geladen werden: Eva Lischka-Kasuistiken-25 Jahre AEGHE.pdf www.aerztegesellschaftheilfasten.de/images/stories/NL 2011/lischka-kasuistiken-aeghe-2011.pdf

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Prävention und Therapie der Demenz mit Ernährung?
Dr. med. Rainer Stange, Immanuel Krankenhaus, Berlin

Derzeit ist hierzulande selten von möglichen Zusammenhängen zwischen Auftreten imgp4378.jpgund Verlauf dementieller Erkrankungen und Ernährung die Rede. Die führende S3-Leitlinie ‚Demenzen’ (2009, Deutsche Gesellschaft für Neurologie u.a.) sowie die Leitlinie ‚Demenz’ (2008, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin) wurden ohne Beteiligung von Ernährungswissenschaftlern erstellt und enthalten auch nicht andeutungsweise einen entsprechenden Hinweis.

Omega-3-Fettsäuren
International wird spätestens seit einer gezielten Analyse von Daten der Framingham-Studie (Schaefer 2006) nach Zusammenhängern zwischen der Aufnahme von omega-3-Fettsäuren und Demenz geforscht. In mittlerweile 13 epidemiologischen Studien hatte sich in 10 Fällen ein inverser Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fisch, bzw. der Aufnahme von marinen omega-3-Fettsäuren, insbesondere von Docosaheaxensäure (DHA) und dem Auftreten dementieller Symptome, bzw. des Vollbildes einer Demenz ergeben, 3 Studien konnten dies auch anhand von Konzentrationen für omega-3-Fettsäuren bestätigen. In 3 Studien konnte dies nicht sicher eruiert werden, in keinem Fall gab es jedoch Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Somit erscheint ein günstiger Einfluss von Fischkonsum, bzw. DHA sehr wahrscheinlich. U.a. aufgrund der Heterogenität der Studien bezüglich der Populationen und damit ihrer Genetik, Art und Zubereitung der Fischmahlzeiten sowie der übrigen Ernährung, unterschiedlichen Erfassungsinstrumenten für Ernährungsgewohneiten und Beobachtungszeiträumen – sowohl absolut wie relativ zum Auftreten von Symptomen – müssen derzeit noch einige Fragen offen bleiben:
– ist überwiegend eine Einzelsubstanz wie DHA für einen protektiven Effekt verantwortlich, oder sollte diese in ein Ernährungskonzept eingebettet sein?
– über welchen Zeitraum vor einer möglichen Manifestation müsste diese Aufnahme erfolgen, um sie verhindern oder doch zumindest hinauszögern zu können?
– welche quantitativen Aufnahmeempfehlungen etwa für DHA können gegeben werden

Folsäuremangel
Als weitere Kandidaten für einen Zusammenhang zwischen nutrititven Faktoren und Demenz sind die bereits vor den omega-3-Fettsäuren diskutierten Vitamine der B-Gruppe inzwischen weitgehend verlassen worden, allerdings scheint ein Folsäuremangel Demenz zu begünstigen.

Mediterrane Kost
In den letzten Jahren sind unabhängig voneinander drei epidemiologische Studien durchgeführt worden, die bei jeweils größeren Bevölkerungsgruppen in den USA (New York Scameras 2009, bzw. Chicago Tangney 2011) und Frankreich (Bordeaux Féart 2009) durch standardisierte Fragebögen das Ausmaß untersucht haben, in dem die spontanen Ernährungsgewohnheiten einer idealtypisch vorgegebenen mediterranen Ernährung entsprechen, also der Adhärenz zu diesem Ernährungstyp. Dabei zeigte sich, dass die Gruppen mit der höchsten Adhärenz ein bis 40% niedrigeres Risiko aufwiesen, eine Demenz vom Alzheimer-Typ zu erfahren. Mit diesen Erkenntnissen machen sich jetzt mehrere Gruppen weltweit an den Versuch, durch prospektive Studien die Minderung der Inzidenz für Alzheimer aufzuzeigen.

Für die naturheilkundlich orientierte Ernährungslehre bleibt die sonst leider völlig vernachlässigte Frage vordergründig, ob die Umwandlung pflanzlich aufgenommener omega-3-Fettsäuren, insbesondere der alpha-Linolensäure, zu DHA einen ausreichenden günstigen Effekt ausüben kann.

Literatur:
Féart C, Torrès MJ, Samieri C, Jutand MA, Peuchant E, Simopoulos AP, Barberger-Gateau P: Adherence to a Mediterranean diet and plasma fatty acids: data from the Bordeaux sample of the Three-City study. J Am Med Assoc 2009;302: 638–648

Scarmeas N , Stern Y , Mayeux R , Manly JJ , Schupf N , Luchsinger JA: Mediterranean diet and mild cognitive impairment. Arch Neurol 2009;66(2): 216-25

Schaefer EJ, Bongard V, Beiser AS, Lamon-Fava S, Robins SJ, Au R, Tucker KL, Kyle DJ, Wilson PW, Wolf PA: Plasma phosphatidylcholine docosahexaenoic acid content and risk of dementia and Alzheimer disease: the Framingham Heart Study. Archives of Neurology 2006;63(11):1545-50

Tangney CC, Kwasny MJ, Li H, Wilson RS, Evans DA, Morris MC: Adherence to a Mediterranean-type dietary pattern and cognitive decline in a community population. Am J Clin Nutr 2011;93(3): 601-7

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Therapeutisches Fasten bei Diabetes mellitus Typ 2
Dr. med. Kronsteiner, Kurpark-Klinik Überlingen am Bodensee

Therapeutisches Fasten kann eine deutliche Verbesserung des Glucosestoffwechsels bei über-gewichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 bewirken. Nach Ende der Fasteninterven-tion sprechen antidiabetisch wirksame Medikamente wieder besser an. Abhängig vom bisherigen Krankheitsverlauf ist oftmals eine deutlich reduzierte antidiabeti-sche Medikation sowohl bei der Insulintherapie als auch bei der oralen Medikation möglich. Während des Fastens werden alle oralen Antidiabetika ab dem ersten Tag abgesetzt. Je nach Stoffwechsellage zu Beginn kann während des Fastens vorübergehend die Gabe von kleinen Dosen Insulin sinnvoll sein, um eine Absenkung der Blutzuckerwerte vorübergegehend noch zu unterstützen. Bei ausgeprägter Rehydrierung während der Blutzuckersenkung sollten Laborkontrollen (Elektrolyte, Creatinin) erfolgen. Wichtig sind regelmäßige Bewegungsaktivitäten und eine angemessene Flüssigkeitszufuhr. Nach Abschluß des Fastens sollte genügend Zeit sein, um ggf. eine nötige Neueinstellung mit Antidiabetika zu ermöglichen. Das Fasten bewirkt relativ rasch erkennbare Stoffwechselverbesserungen und ist als erlebnis-orientierter Prozeß ein guter Auftakt zum Erlernen eines veränderten Ernährungs- und Bewegungsverhaltens.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Fasten in der Allgemeinpraxis – bewährte Indikationen und Abrechnung
Dr. med. Martha Ritzmann-Widderich, Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin BDEM, Rottweil

Bei vielen Erkrankungen und Beschwerden, welche zum täglichen Spektrum einer Allgemeinpraxis gehören, bietet sich der regelmäßige Einsatz des therapeutischen Fastens an. Dies kann als Einzelmaßnahme oder im Rahmen einer komplexeren Behandlungsstrategie erfolgen. Bewährte Indikationen, bei welchen Fasten häufig hilfreich sein kann, reichen von Allergien (Heuschnupfen im Frühjahr) über Arthrosen und entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, Depressionen, Übergewicht/Adipositas, Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus (metabolisches Syndrom), Infektanfälligkeit, Migräne, Magen-Darm-Störungen bis hin zu hormonellen Dysbalancen bei Zyklus/Fertilitätsstörungen oder Klimaxbeschwerden. Regelmäßige Fastenphasen erleichtern eine Modifikation ungünstiger Lebensstilfaktoren. Häufig lassen sich auch Medikamentendosierungen reduzieren mit der Folge eines besseren Allgemeinbefindens bei weniger Nebenwirkungen. Dies fördert auch die Compliance der Patienten und wirkt sich positiv auf das Arzt-Patientenverhältnis aus. Voraussetzung für das Angebot eines ärztlich geleiteten Fastens ist eine Selbsterfahrung und Schulung im Rahmen von z.B. naturheilkundlichen Weiterbildungswochen in entsprechenden Fastenkliniken.
Kurse zu Fasten und Ernährung sind im GKV-Bereich eine Selbstzahlerleistung, welche analog der Gruppenberatungsziffer 20 der GOÄ abgerechnet werden kann. Einzelne gesetzliche Krankenkassen erstatten einen Teil der Kosten im Rahmen der geltenden Präventionsparagraphen 20 und 43 SGB V. Im GOÄ-Bereich kommt die Ziffer 20 bei Vorliegen einer entsprechenden Erkrankung zum Ansatz. Auch werden in der Regel gängige Beratungs- und Untersuchungsleistungen erbracht und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten zusätzlich abgerechnet.
Empfehlenswert ist die Zusammenarbeit mit Ernährungsfachkräften und speziell ausgebildeten Fastenleiter/innen (auch weitergebildete medizinische Fachangestellte) zur Entlastung der ärztlichen Seite. Die medizinische Tätigkeit besteht bei entsprechenden Kooperationen in der Supervision, der Indikationsstellung, Anpassung von Medikamenten, bedarfsweiser Kontrolle von Laborparametern, Aufklärung über medizinische Zusammenhänge sowie Organisation und Abrechnung der Gruppen.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Neuere Ergebnisse der Fastenforschung
Prof. Dr.med. Andreas Michalsen, Zentrum für klinische Naturheilkunde, Immanuel Krankenheus, Berlin-Wannsee

Der Beitrag wird im kommenden Newsletter der ÄGHE im Rahmen der Tagungsbeiträge der Medizinischen Woche in Baden-Baden 2011 veröffentlicht.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Kneipp-Anwendungen und Fasten
Dr. med. Gunther Hölz, Kurpark-Klinik, Überlingen

Die Kneipp’sche Gesundheitslehre und das therapeutische Fasten nach Buchinger sind multidisziplinäre Konzepte der Medizin für Therapie und Prävention. Ein wesentliches gemeinsames Ziel beider Methoden ist der Impuls zur Veränderung des Lebensstils. Ein wichtiger Baustein der Kneipp’schen Therapie ist die Kneipp’sche Hydrotherapie, welche auch ein Schwerpunkt im Rahmen des Fastenkonzeptes der Kurpark-Klinik Überlingen ist. Es werden die wesentlichen Methoden wie Waschungen, Wassertreten, Kneipp’sche Güsse, Wickel, Packungen, Bäder und auch die Methode des Trockenbürstens vorgestellt. Es sind zum Teil einfache Verfahren, die die Patienten auch zu Hause in Eigenregie fortführen können. Dies unterstützt die Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit, die für die Behandlung von chronischen Krankheiten eine wichtige Voraussetzung darstellt.

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BERICHTE & BEITRÄGE ZUR JUBILÄUMSTAGUNG

Vorstellung von Institutionen, die Fasten für Gesunde durchführen: Hans-Helmut Martin, Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB)  www.ugb.de/ugb-verband/ugb-akademie

Ralf Bodeutsch, Deutsche Fastenakademie e.V. (dfa)  www.fastenakademie.de

Christof Michl, Die Fastenwanderzentrale

Eckhard Heumeyer, Berufsverband Fasten und Ernährung e.V. (BV F+E)

Dr. Eduard Pesina und Waltraud Bittner, Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsförderung (GGF)

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WISSEN & WERT

Alle paar Tage fasten: Kalorienrestriktion als Krankheitsvorbeugung?  Der Tagesspiegel vom 9.6.2011

Auch in den auf stur geschalteten Köpfen sollten die Nachrichten der Gesundheitsexperten angekommen sein: Starkes Übergewicht, zu viele Kalorien und fettreiche Nahrung auf Dauer gehören zu den Risikofaktoren für Probleme am Herzen und Stoffwechselkrankheiten… weiterlesen auf www.tagesspiegel.de

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WISSEN & WERT

„Essen und Fasten für das Klima?“ von Dr. oec.troph. Karl von Koerber, Beratungsbüro für ErnährungsÖkologie (BfEÖ), www.bfeoe.de

Der Klimawandel und seine Folgen haben in den vergangenen Jahren eine breite öffentliche Diskussion angestoßen. Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, hat im Auftrag der britischen Regierung 2006 mit seiner wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit über die Folgekosten des Klimawandels für erhebliches Aufsehen gesorgt. Kosten in einer Größenordnung von rund 5,5 Billionen Euro kämen auf die Menschheit zu, wenn nichts gegen den Klimawandel unternommen werde. 2006 lautete die Empfehlung noch, dass rund ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts – etwa 270 Milliarden Euro jährlich – ausgegeben werden müssen, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. „Jetzt sind schon 300 Milliarden pro Jahr nötig“, sagt Karl von Koerber. Wohlgemerkt: Es sind keine vorbeugenden Maßnahmen, sondern Kosten zur Vermeidung der schlimmsten Folgen. Flutkatastrophen, Dürren, Tornados und Hurrikans sind nur die Vorboten. Wenn das Weltklima nur um zwei, statt um sechs Grad, wie befürchtet steigt, kommt es dennoch, so die Prognosen, durch die Gletscherschmelze auf Grönland zu einem Anstieg des Meeresspiegels. „Es wird mehr Flüchtlinge wegen der Klimaänderungen geben, als aus allen anderen Gründen“, warnt Karl von Koerber.

Ernährung und Klimawandel
Der Fokus der Diskussion liegt dabei auf dem Energieverbrauch, besonders hinsichtlich der fossilen Brennstoffe. Allerdings, so Karl von Koeber „kommt das Thema Ernährung im Komplex Klimawandel kaum vor.“ Dabei zeigt ein Blick auf den Gesamt-Energieeinsatz nach Bedarfsfeldern in Deutschland, dass das, was wir essen, für rund 20 Prozent des bundesweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich ist. Zum Vergleich: 32 Prozent entfällt auf das Wohnen, 17 Prozent auf die Freizeit. Der Löwenanteil an diesen 20 Prozent geht auf das Konto der Erzeugung tierischer Lebensmittel mit 44 Prozent, acht Prozent auf die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel, 29 Prozent auf Verbraucheraktivitäten (spülen, kochen, kühlen, einkaufen), 13 Prozent verursacht der Transport und sechs Prozent entfallen auf die industrielle Verarbeitung. Wenn man bedenkt, dass 18 Prozent aller globalen Treibhausgase durch Tierhaltung verursacht werden, wird nach Ansicht Karl von Koerbers deutlich, dass gerade der Bereich Ernährung enormes Potential für eine Reduzierung schädlicher Treibhausgase bietet. Das liegt daran, dass für die Erzeugung von Futtermitteln viel Mineraldünger und damit viel fossile Energie (Erdöl, Erdgas, Kohle) eingesetzt werden muss. Zum anderen geht bei der Umwandlung von pflanzlichen Futtermitteln zu tierischen Lebensmitteln viel Nahrungsenergie verloren: So benötigt die Herstellung von einer Kalorie Fleisch durchschnittlich sieben Kalorien pflanzliche Futtermittel. Hinzu kommt, dass Wiederkäuer wie Rinder, Schafe oder Ziegen bei der Verdauung Methan freisetzen, dass etwa 23-mal klimabelastender ist als Kohlendioxid.

Bio-Landwirtschaft schützt Klima
Karl von Koerber spricht sich, wenn es um die tierische Lebensmittelerzeugung geht, eindeutig für den Bio-Landbau aus. Bio-Landwirte sind Klimaschützer: Im Bio-Landbau dürfen keine – in der Produktion sehr energieaufwändigen – mineralischen Stickstoffdünger verwendet werden. Das ist der Hauptgrund für die guten Klimawerte von Bio-Lebensmitteln. Stattdessen düngen die Bio-Landwirte mit Mist und Gülle vom eigenen Hof und mit Leguminosen wie Kleegras und Luzerne. Weniger Tiere pro Hektar als im konventionellen Bereich – wie im Bio-Landbau vorgeschrieben – verursachen weniger Mist und Gülle. Das Abbauprodukt der stickstoffhaltigen Dünger dagegen ist Lachgas, 300-mal treibhauswirksamer als Kohlendioxid und damit ein echter Klimakiller. Nicht nur gesundheitlich besser, auch umweltverträglicher ist der Verzehr pflanzlicher Lebensmittel. Denn der „ökologische Rucksack“ ist wesentlich „leichter“. Im Gegensatz zu tierischen Lebensmitteln ist das Gewicht an Treibhausgasen, das sie erzeugen, deutlich niedriger als ihr Eigengewicht. Das bedeutet, dass Getreide, Kartoffeln und Gemüse, die aus ökologischem Anbau stammen, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Karl von Koerber: „Eine klimaoptimierte Ernährung trägt also erheblich zum Klimaschutz bei. Der Vorteil ist, dass jeder sofort und ohne hohen Aufwand damit beginnen kann. Neuanschaffungen sind für den Verbraucher nicht notwendig. Sie ist gut für die Gesundheit und darüber hinaus lecker und genussvoll.“

Karl von Koerbers Vorschläge zur Klimaentlastung:
• Pflanzliche Kost bevorzugen. Der Konsum tierischer Erzeugnisse sollte ebenfalls zugunsten von „Bio statt Massenware“ eingeschränkt werden nach dem Motto „weniger ist mehr“.

• Ökologisch erzeugte Lebensmittel bevorzugen.

• Regionale Produkte kaufen – hier fallen keine Flugtransporte an, z. B. von Exoten oder Erdbeeren im Winter.

• Gemüse und Obst der Saison kaufen – im Winter nicht aus beheizten Treibhäusern. Deren klimaschädliche Emissionen liegen bis zu 30-mal höher.

• Frische, gering verarbeitete Lebensmittel sind klimafreundlicher als Tiefkühlpizza, Hamburger & Co..

• Umweltverträglich verpackte Produkte bevorzugen.

• Fair gehandelten Lebensmitteln den Vorrang geben.

• Auf energieffiziente Haushaltsgeräte umsteigen, Öko-Strom nutzen.

• Zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen gehen, statt mit dem Auto.

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BUCH & TIPP

Weg mit den Pillen!   Selbstheilung oder warum wir für unsere Gesundheit Verantwortung übernehmen müssen – Eine Streitschrift von Prof.Dr.Dr.phil. Harald Walach

Aus dem Anzeigentext der Verlagsgruppe Randomhouse:

Ein aufrüttelndes Buch, das die aktive Rolle des Patienten stärkt und der Dominanz der pharmazeutischen Industrie den Kampf ansagt. In unserem Gesundheitssystem wird Krankheit oft als technische Panne und Heilung als mechanische Reparatur verstanden. Dies rührt daher, dass die Entwicklung neuer Medikamente mit der Heilung von Krankheiten gleichgesetzt wird. Darüber hinaus trägt die Pharmabranche das Ihrige dazu bei, diese Vorstellungswelt zu bestärken. Experten warnen jedoch vor Kostenexplosionen. Höchste Zeit also, sich von bequemen Denkmustern zu verabschieden. Harald Walach, einer der führenden Köpfe in der Komplementärmedizin, hilft Patienten, Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen. Er zeigt Alternativwege auf, die ihn aus der Rolle des passiven Empfängers medizinischer Interventionen befreien. Ein aufrüttelndes Buch und ein engagiertes Plädoyer für die Kraft der Selbstheilung sowie eine entschiedene Kampfansage an die Dominanz der pharmazeutischen Industrie.

Professor Harald Walach ist klinischer Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker. Er lehrte einige Jahre als Dozent an der Universität Freiburg, wo er eine Forschungsgruppe für Komplementärmedizin- und Naturheilkundeforschung maßgeblich mit aufbaute. 2010 wurde er an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder zum Professor für Forschungsmethodik komplementärer Medizin und Heilkunde ernannt. Er ist dort geschäftsführender Leiter des Instituts für transkulturelle Gesundheitswissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen unter anderem die Wirkung von Spiritualität und Achtsamkeitsmeditationen auf die Gesundheit sowie die Entstehung des Placebo-Effekts.

Neben zahlreichen Fachpublikationen ist „Weg mit den Pillen!“ sein erstes populärwissenschaftliches Buch. Gebundene Ausgabe, 256 S., Irisiana Verlag 2011, 17,99 €


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