Newsletter 2010

7. Ausgabe: Erschienen 2.2011

VORSTAND & MITGLIEDER
Wahlen: ein neuer Vorstand wurde gewählt
Nachruf Prof. Christine Uhlemann
Begrüßung neuer Mitglieder
Neulich bei Maischberger: Frau Dr. Franςoise Wilhelmi de Toledo

TERMIN & NOTIZ
25 Jahre ÄGHE: Jubiläums- und Fastenärztetagung vom 25.-26.6.2011 in Überlingen
Weiterbildung ZÄN: Fastenselbsterfahrung vom 22.-29.3. und 6. – 13.9.2011 in Überlingen
40. Fortbildungstagung der ÄGHE am 26.10.2011 in Baden-Baden

BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München
38. ÄGHE-Fortbildung am 26.06.2010 in Zürich
39. ÄGHE-Fortbildung am 27.11.2010 in Berlin
Wissenschaftliche Sitzung am 30.10.2010 auf der 44. Medwoche in Baden-Baden

WISSEN & WERT
Internet-Auftritt: die Top 10 der www.aeghe.de
Falsches Fasten: Kopfschmerzen durch Kaffeeverzicht
Hungriges Immunsystem: Fasten aktiviert FOXO

BUCH & TIPP
Otto Buchinger sen. hören als WDR-Podcast: 20. Juli 1920 – Der berühmte Fastenarzt eröffnet seine erste Fastenklinik

 Vollständiger Newsletter als pdf: AEGHE-Newsletter-2010

Liebe Mitglieder der ÄGHE,

Wir betrauern den Tod unseres Mitglieds Prof. Christine Uhlemann im Dezember 2010. Sie hat sich sehr um Fastenforschung verdient gemacht. Wir werden sie auf unserer 14. Fastenärztetagung 25./26. Juni 2011 in Überlingen entsprechend würdigen. Anlässlich dieser Tagung feiern wir auch das 25-jährige Bestehen der ÄGHE. Die zweite Tagung des Jahres wird am 29.10.2011 im Rahmen der 45. Medizinischen Woche in Baden-Baden stattfinden.Jeder Therapeut, der sich mit Fasten und Ernährung beschäftigt weiß wie effektiv sich diese Behandlungsmethoden erweisen. Unsere Ärztegesellschaft, deren Mitgliederzahl mittlerweile auf 120 angewachsen ist, hat sich der Förderung und Beforschung dieser Therapierichtungen verschrieben. Bitte werben Sie weiterhin Mitglieder und berichten Sie uns über interessante Kasuistiken. Auf unseren Tagungen geben wir immer genügend Möglichkeit, diese vorzustellen und im Kollegenkreis zu diskutieren.
Wir freuen uns, Sie im Juni in Überlingen begrüßen zu können und wünschen viel Freude bei der Lektüre des Newsletters 2010.

Dr. med. Eva Lischka mit dem Redaktionsteam Dr. med. Rainer Matejka und Andrea Chiappa

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VORSTAND & MITGLIEDER

Wahlen: ein neuer Vorstand wurde gewählt

Auf der Mitgliederversammlung vom 27.11.2010 in Berlin wurde der Vorstand neu gewählt. Das Wahlergebnis: Als Vorsitzende wurde Dr. Eva Lischka (Überlingen), als zweiter Vorsitzender Dr. Rainer Stange (Berlin) wiedergewählt.

Der bisherige Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Christian Kuhn trat auf eigenen Wunsch nach über 20-jähriger Tätigkeit im Vorstand der ÄGHE nicht mehr zur Wahl an. Dr. Eva Lischka und andere Anwesende dankten Dr. Kuhn für sein langjähriges erfolgreiches Wirken. Zum Nachfolger gewählt wurde Dr. Stefan Drinda (Foto), Chefarzt der Klinik Buchinger am Bodensee. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden in Ihren Ämtern bestätigt: Dr. Rainer Matejka, Kassel, Prof. Dr. Andreas Michalsen, Berlin, Dr. Martha Ritzmann-Widderich, Rottweil, Dr. Francoise Wilhelmi de Toledo, Überlingen.Das vollständige Protokoll der Mitgliederversammlung kann per Email angefordert werden unter der Email: info@aerztegesellschaft-heilfasten.de

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VORSTAND & MITGLIEDER

Nachruf Prof. Christine Uhlemann (25.08.1946 – 14.12.2010)

Mit Bestürzung haben wir vom Tod von Prof. Dr. med. Christine Uhlemann Kenntnis genommen.
Die Verbindung von Schulmedizin und Naturheilkunde lag Prof. Uhlemann besonders am Herzen. In unzähligen Vorträgen warb sie einerseits für die klassische Naturheilkunde (Bewegung, Ernährung, Wasseranwendungen etc.) im Vergleich zu eher exotischen Methoden, andererseits für die Zusammenarbeit mit der Schulmedizin und für wissenschaftliche Erforschung der Naturheilkunde („Wirksamkeitsnachweise fördern die Anerkennung!“).
1946 im Thüringischen Weira geboren, studierte Christine Uhlemann von 1965–71 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. An dieser Hochschule wirkte sie auch ihr weiteres Berufsleben. Sie erwarb 1977 den Facharzt für Physiotherapie, habilitierte sich 1991 und wurde 1999 außerplanmäßige Professorin für physikalische und rehabilitative Medizin. Seit 2005 leitete sie das von ihr gegründete „Kompetenzzentrum Naturheilkunde“ am Uniklinikum Jena. Hier wird ein breites Spektrum an Naturheilverfahren angewandt und erforscht. Sie betreute Studien und Doktorarbeiten z. B. zur Wirksamkeit von Kneippschen Anwendungen, aber auch zur Fußreflexzonentherapie. Zuletzt sorgte sie mit einer Studie zu Fasten bei Arthrose für Schlagzeilen: „Fasten hilft nachhaltig gegen Gelenkschmerzen“.
Wer das Glück hatte, an den von ihr veranstalteten Ringvorlesungen als Zuhörer bzw. Referent teilzunehmen, war von Ihrem Engagement, vor allem aber von ihrer jugendlichen Dynamik und ihrer positiven Ausstrahlung sofort angetan.
Mit Christine Uhlemann verliert die Naturheilkunde eine engagierte und erfolgreiche Streiterin im universitären Bereich. Ihr Tod hat den gesamten Vorstand sehr getroffen.  Dr. Rainer Matejka, im Namen des gesamten Vorstands

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VORSTAND & MITGLIEDER

Begrüßung neuer Mitglieder
Im Namen aller Mitglieder heisst der Vorstand der ÄGHE folgende 13 neue Mitglieder herzlich willkommen!

Frau Dr. med. Angelika Brenke, Dermatologin, Hufeland-Klinik, Bad Ems
Herr PD Dr. med. Rainer Brenke, Internist, Hufeland-Klinik, Bad Ems
Frau Dr. med. Monika Gottwald-Pirlet, München
Frau Birgit Ettl, Dipl. oec. troph., Klinik Buchinger, Überlingen
Herr Dr. med. Jörg Fastenrath und Frau Dr. med. Luise Saueracker-Fastenrath, Bocholt
Frau Monika Hart, Apothekerin, Fastenleiterin UGB, Königswinter
Frau Erni Schüpferling, Fastenleiterin DFA, A-St. Johann / Tirol
Frau Gisela Held, Ernährungsberaterin, Filderstadt
Herr Dr.med. Henning Wittrock, Überlingen
Frau Dr.med. Gisela Vogel, Mettmann
Frau Dr.med. Galina Heymann, Berlin
Frau Dr.med. Alexandra Heiser, Berlin

Derzeit zählt die Ärztegesellschaft rund 120 Mitglieder.

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VORSTAND & MITGLIEDER

Neulich bei Maischberger: Frau Dr. Franςoise Wilhelmi de Toledo
Im Rahmen der ARD-Themenwoche 2010 „Essen ist Leben“ war das ÄGHE-Vorstandsmitglied Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo am 26. Oktober 2010 zu Gast bei „Menschen bei Maischberger“.
Thema der Sendung war „Karotten gegen Krebs, Fisch gegen Herzinfarkt: Essen – die beste Medizin?“.
Es diskutierten u.a. Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo, Starköchin Sarah Wiener, Arzt und Ernährungsexperte Dr. Gunter Frank, Mediziner und Journalist Dr. Werner Bartens. Ein durch Rohkost geheilter Patient (metastasierender Lungenkrebs) wurde dabei interviewt.Das Video zur Sendung können Sie unter folgendem Link zur ARD-Homepage sehen

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TERMIN & NOTIZEINLADUNG ZUR

Jubiläumstagung und 14. Fastenärztetagung vom 25. bis 26. Juni 2011 im Kursaal am See, Überlingen am Bodensee
25 Jahre Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung

„FASTEN IST TEIL DES LEBENS“

Samstag 25.06.2011

Begrüßung Eva Lischka, 1. Vorsitzende der ÄGHE

Grußworte Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung

Marion Caspers-Merk, Präsidentin Kneipp Bund e.V., Parlamentarische Staatssekretärin a.D.

Retrospektive 25 Jahre ÄGHE – anschließend: Video der alten Garde – Françoise Wilhelmi de Toledo, Überlingen

Prof. Dr. med. Christine Uhlemann (25.08.1946 – 14.12.2010 †): Verdienste um die naturheilkundliche Forschung

Gemeinschaftliche Ehrung der ÄGHE und des Kneippärztebundes

Verleihung des Preises der Maria Buchinger Stiftung: Preisvortrag „Ambulantes Heilfasten und Arthrose“ – Sebastian Schmidt und Kathrin Stoy, Jena

Die Wahrheit über Fasten und Eiweiß: Verlust als Gewinn – Michael Boschmann, Potsdam

Einfluss des Fastens auf gängige Laborparameter – Stefan Drinda, Überlingen

Besondere Fastenverläufe – Eva Lischka, Überlingen

Prävention und Therapie der Demenz mit Ernährung? – Rainer Stange, Berlin

Neuere Ergebnisse der Fastenforschung – Andreas Michalsen, Berlin

20:00 Uhr Galaabend mit dem beliebten Kabarettisten Bernhard Ludwig, mediterranem Buffet und Tanzmusik

Sonntag 26.06.2011 – 10:00 – 13:00 Uhr

Eröffnung und spiritueller Impuls – Christian Kuhn, Überlingen

Therapeutisches Fasten bei Diabetes mellitus Typ 2 – Walter Kronsteiner, Überlingen

Fasten in der Allgemeinpraxis – bewährte Indikationen und Abrechnung – Martha Ritzmann-Widderich, Rottweil

Vorstellung von Institutionen, die Fasten für Gesunde durchführen: Hans-Helmut Martin (Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung UGB), Ralf Bodeutsch (Deutsche Fastenakademie dfa), Christof Michl (Fastenwandern), Eckhard Heumeyer (Berufsverband Fasten und Ernährung)

Kneipp-Anwendungen und Fasten – Gunther Hölz, Überlingen

Schlußwort Eva Lischka

Programmflyer mit Infos über Tagungsgebühren und Zimmerreservierung über www.aeghe.de oder Email an info@aeghe.de  oder Telefon ++49 (0)6103-8038988 Agentur Capsicum

Die Tagung findet im Rahmen der Internationalen Kneipp-Aktionstage vom 23. – 26. Juni 2011 im Kneippheilbad Überlingen am Bodensee statt.  Programm und weitere Infos unter ueberlingen.de

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TERMIN & NOTIZ

Weiterbildungswoche für Ärzte zum Erwerb der Zusatzbezeichnung ‚Naturheilverfahren‘ in Kooperation mit der ÄGHE

22. – 29. März 2011 Kurs II  Schwerpunkte Ernährungsmedizin und Phytotherapie

6. – 13. September 2011 Kurs IV Schwerpunkte Balneotherapie, Ernährung, Verdauung und Stoffwechsel mit Selbsterfahrung Heilfasten nach Buchinger

Wiss. verantw.: Dr.med. Christian Kuhn, Überlingen – Dr.med. Gunther Holz, Überlingen
Infos und Anmeldung: ZÄN – Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. Am Promenadenplatz 1 – 72250 Freudenstadt – tel: + 49 (0) 74 41 – 91 85 8 – 0  web: www.zaen.de

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TERMIN & NOTIZ

40. Fortbildungstagung der ÄGHE am 26.10.2011 im Rahmen der 45. Medizinischen Woche in Baden-Baden

Das genaue Programm der Fortbildung und die Bedingungen für die Teilnahme wird zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Infos zur Medizinischen Woche unter www.medwoche.de und Thieme Verlag

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BERICHTE & BEITRÄGE

Die 37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München  in Zusammenarbeit mit dem ZnF

Gastgeber Prof. Dr. med. Dieter Melchart (Foto), Leiter des Zentrums für naturheilkundliche Forschung (ZnF) der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der TU München, berichtete über den aktuellen Stand und zukünftige Aktivitäten des ZnF. Schwerpunkt der Ambulanz und Tagesklinik der Einrichtung, so Melchart, ist ein Individuelles Gesundheits-Management (IGM).
Im Zentrum der Maßnahmen steht ein gesundheitsorientiertes Lebensstiltraining für Gesunde und Kranke. Im Sinne eines modernen Risiko- und Schutzfaktoren-Managements sollen Risikofaktoren (z.B. Übergewicht, Stress) gesenkt und Schutzfaktoren der Gesundheit (Bewegung, Ernährung, Abwehr, Thermoregulation u.v.a.) gestärkt werden. Auf diesem Wege sollen physiologische Basisfunktionen und kognitiv-psychosoziale Basiskompetenzen optimiert werden, mit dem Ziel, ein gesünderes längeres Leben mit mehr Lebenszufriedenheit zu erreichen. Das individuelle Gesundheitscoaching umfasst Elemente aus den Bereichen Bewegung, Ernährung, vegetative Balance, Abwehr, Wärmehaushalt, Schlaf, Rhythmus und Emotionsregulation sowie soziale Kompetenz.
Moderne pädagogische Wege kommen hierbei zum Einsatz: Eine Mischung aus moderner Informationstechnologie, Internet, Computer, Telefon (Telemedizin) und personalen Medien (Beratung, Gruppe). Angeleitete Übungen, Bspw. mit Gesundheitstrainerinnen, bleiben also ein wichtiger Bestandteil. Entscheidend ist dabei die Förderung des aktiven Rollen-Selbstverständnis und Gesundheitskompetenz des Einzelnen. Im Anschluss daran hatten alle Teilnehmer der Fortbildungstagung die Möglichkeit im Rahmen eines kurzen Praktikums Level 1 des IGM durchzuführen. Das Resultat ist eine Lebensstilempfehlung auf der Grundlage von medizinischen Grunddaten und Screening-Fragebögen.

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BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München

Individuelle Ernährungsumstellung auf Basis der Energiedichte der Lebensmittel
Prof. Dr. Volker Schusdziarra | Klinik für Ernährungsmedizin EKFZ Klinikum rechts der Isar TU München

Die ständig steigende Prävalenz der Adipositas hat nicht nur medizinische sondern auch große ökonomische Bedeutung. Ursache für die epidemieartige Gewichtsentwicklung ist das große allgemein verfügbare Lebensmittelangebot, das auch finanziell erschwinglich ist, in Verbindung mit einem ständig geringer werdenden Energieverbrauch. Zur Therapie der Adipositas gibt es verschiedene Ansätze. In der konservativen Therapie kann die hypokalorische Ernährungsweise durch Reduktion von Fett, Kohlenhydraten bzw. Vermehrung von Eiweiß erzielt werden. Alle Diätmaßnahmen führen zu einer vergleichbaren akuten Gewichtsreduktion, während die Aufrechterhaltung des einmal reduzierten Körpergewichts wenig erfolgreich ist. Das Problem der konservativen Therapie liegt in einer zu großen Erwartungshaltung hinsichtlich einer Begrenzung der Energieaufnahme durch die Regulation von Hunger und Sättigung, so dass eine Zunahme des Körpergewichts nicht erfolgt. Dies ist jedoch Wunschdenken, da derartige Regulationsmechanismen nie während der 5 Mio. Jahre dauernden Entwicklungsgeschichte des Menschen ausgebildet worden sind. Die Regulation der Nahrungsaufnahme 100_6373.jpgerfolgt akut durch ein Zusammenspiel zwischen Magen und Gehirn und unterliegt tonischen Einflüssen durch Fettgewebshormone. Sättigung wird überwiegend durch Füllung und Dehnung des Magens induziert, wobei dem Energiegehalt der Nahrung keine Rolle zukommt. Kognitive, sensorische und psychosoziale Einflüsse können diese neuroendokrine Regulationsschleife leicht überspielen und zur Steigerung der Energieaufnahme wesentlich beitragen. Ein langfristiges Therapiekonzept der Adipositas muss unter Berücksichtigung individueller Ernährungsgewohnheiten zu einer hypokalorischen Ernährungsweise führen, die für den Patienten über Jahre bis Jahrzehnte akzeptabel ist. Als Grundlage eignet sich im besonderen Maße die Energiedichte der Lebensmittel (Beispiel siehe Foto li.), da sie ein für den Patienten leicht überschaubarer Parameter ist, der am besten das Verhältnis zwischen der sättigenden Wirkung eines Lebensmittels und dem Kalorieneintrag widerspiegelt. Die bisherigen Therapieergebnisse zeigen, dass damit eine gute Gewichtsreduktion auch bei stark übergewichtigen Patienten möglich ist.

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BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München

Zur Compliance-Grenze in der Adipositastherapie: Die Pflicht zur Gesundheit wirkt kontraproduktiv!
Prof. Dr. habil. Christoph Klotter | Lehrstuhl für Gesundheits- und christophklotter.jpgErnährungspsychologie am FB Oecotrophologie der FH-Fulda

In der reichhaltigen Literatur zur Compliance-Problematik wird überwiegend davon ausgegangen, dass der Patient und die Patientin den Empfehlungen der Gesundheitsexpertinnen und –experten Folge leisten soll. Schließlich wisse der Gesundheitsexperte am Besten, was der Patient für seine Gesundheit tun soll. In dieser Logik handelt der Patient unvernünftig und damit auch gesundheitsabträglich, wenn er den Rat des Experten nicht annimmt. Ob ein Patient ungehorsam ist, indem er die Blutdruckmedikamente zwar käuflich erwirbt, sie anschließend niemals mehr anrührt, ob ein Diabetiker Typ 1 recht unregelmäßig Insulin spritzt, ist durch reine Beobachtung schwer zu erkennen. Scheinbar anders verhält es sich bei den Übergewichtigen und Adipösen. Ihnen scheinen die Zeichen eines gesundheitsabträglichen Lebensstils auf den Leib geschrieben zu sein (obwohl faktisch ihre Wohlbeleibtheit vielleicht genetisch bedingt ist). Deshalb sind sie dafür prädestiniert, den Unmut der Gesundheitsexperten auf sich zu ziehen. Mangelnde Compliance steht also nicht nur für das Nichtbefolgen etwa ärztlicher Anweisungen, es bedeutet potenziell viel mehr. Es ist zum Beispiel Ausdruck einer moralisch verwerflichen Lebensweise, eines undisziplinierten, maßlosen Lotterlebens. Es symbolisiert das Nicht-Einhalten eines zentralen abendländischen Werts der Mäßigung, kreiert in der griechischen Antike, transformiert im Christentum über den Begriff der Sünde, radikalisiert mit der protestantischen Ethik im Sinne Max Webers. Das vermeintliche Nicht-Einhalten des Mäßigungsideals führt dazu, dass Übergewichtige und Adipöse massiv diskriminiert werden – etwas, das nicht zu einer höheren Compliance führt.

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BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München

Ernährungsvarianten in der Ambulanz und Tagesklinik für Naturheilkunde und Gesundheitsförderung, II. Med. Klinik und Poliklinik, TU München
Dr. med. Michael Jack | Zentrum für naturheilkundliche Forschung (ZnF)michaeljack.jpg der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der TU München

Verschiedene chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas Grad I + II als auch das kardiometabolische Syndrom benötigen unterschiedliche ernährungstherapeutische Strategien, um das Minimalziel einer Gewichtsreduktion bzw. -stabilisierung zu erreichen. Der Vortrag des Referenten zeigt, am Vorgehen der TUM Ambulanz für Naturheilkunde an den genannten Indikationen, einen möglichen ambulanten Lösungsansatz. Schwerpunkt der Therapie ist eine Lebensstilmodifikation zur Steigerung des Empowerments des Patienten und zur nachhaltigeren Wirkung der Ernährungsumstellung. Dabei stehen regelmäßige Selbstbeobachtungen des Patienten, ärztliche Kontroll- und Motivationstermine wie auch ein internetbasiertes Lebensstilprogramm gleichberechtigt neben einander.

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BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München

„Von der Hay´schen zur Insulin-Trennkost“ – Einfluss der Nahrung auf den Insulinspiegel (Insulin-Index) und KH-Stoffwechsel
Dr. oec. troph. Edmund Semler, www.academia-diaetetica.de, Ausbildungsdozent und wissenschaftlicher Leiter bei der edmundsemler.gifDeutschen Fastenakademie, Stuttgart

Der US-amerikanische Arzt William Howard Hay (1866-1940) entwickelte in den 1920er Jahren ein Ernährungskonzept, das in den USA als “Hay System“ und später im deutschsprachigen Raum als „Haysche Trennkost“ bekannt wurde. Die wesentlichen ursprünglichen Prinzipien dieser Kostform bestehen im getrennten Verzehr von kohlenhydratreichen und proteinreichen Lebensmitteln, dem Vermeiden von Zwischenmahlzeiten und dem Verzehr von möglichst naturbelassener Nahrung. Jüngere populäre Ernährungskonzepte wie “Schlank im Schlaf“ und “metabolic balance“ basieren auf den beiden erstgenannten Wirkprinzipien und stellen die Wirkung der Nahrung auf Sekretion und Tagesprofil von Insulin ins Zentrum ihrer Überlegungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung und aus der Chronobiologie weisen darauf hin, dass diese beiden Ansätze in der Prävention und vor allem in der Therapie von Übergewicht und Adipositas vermehrt Beachtung finden sollten und dass es beim gesunden Essen auch auf den richtigen Zeitpunkt und Rhythmus ankommt. Das Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt steht im Mittelpunkt der Hay’schen Trennkost, die der Ernährungswissenschaftler Eddie Semler in seinem zweiten Vortrag beleuchtete. Die Trennregel, nach der kohlenhydrat- und proteinreiche Lebensmitteln nicht gemeinsam verzehrt werden sollen, ist bislang wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Doch nach Semler gibt es mit der Insulin-Trennkost einen neuen, fundierten Ansatz für die Hay?schen Theorien. Die neue Form der Trennkost begründete der in Essen praktizierende Internist Dr. Detlef Pape. Er geht davon aus, dass ein hoher Insulinspiegel nach einer kohlenhydrat- und proteinreichen Mahlzeit in eine Insulinfalle mit Übergewicht und metabolischen Störungen führt. Wer Kohlenhydrate am Morgen und Proteine am Abend isst, senke seinen Insulinspiegel in der Nacht und fördere damit den Fettabbau. Abnehmen könne so quasi im Schlaf gelingen. Wissenschaftlich belegt ist diese Hypothese bisher aber nicht.

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BERICHTE & BEITRÄGE
37. ÄGHE-Fortbildung am 28.11.2009 in München

Falldarstellungen aus der fastentherapeutischen Praxis
von Dr. Eva Lischka, Klinik Buchinger am Bodensee

Der vollständige Beitrag als pdf-Download

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BERICHT & BEITRÄGE

Die 38. ÄGHE-Fortbildung am 26.6.2010 in Zürich
in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Institut für Naturheilkunde

Die kleine, aber sehr feine Fortbildungstagung der ÄGHE fand bei sehr schönem Wetter im katholischen Akademikerhaus im Zentrum Zürichs statt. Neben Herrn Prof. Saller (Foto li.), Leiter des Zürcher Institut für Naturheilkunde, standen den rund 25 Teilnehmern mit Frau Dr. Caroline Haubold aus Straßbourg, Frau Dr. Brigitte Ausfeld-Hafter, Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin (KIKOM) der Universität Bern und Herr Phil. M.A. Lukas Niederberger, Theologe und Coach aus Zürich, hochkarätige img_0529.jpgReferenten zur Verfügung. Auch stand die Tagung unter dem Zeichen der allseits geschätzten, verstorbenen Maria Buchinger. In der von Frau Francoise Wilhelmi de Toledo eingestimmten Laudatio mit anschließender Schweigeminute konnten die Anwesenden die erfrischende img_0519.jpgLebendigkeit und herzliche Größe von Maria Buchinger ein Stück weit mit erfahren und abschied nehmen. Als eine besondere Freude empfanden die Tagungsteilnehmer die von der Überlinger Klinik Buchinger gesponserte köstliche Mittagsverpflegung, die bei bestem Sonnenwetter über den Dächern von Zürich verspeist wurde.

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BERICHT & BEITRÄGE
38. ÄGHE-Fortbildung am 26.6.2010 in Zürich

Veränderungen der Darmschleimhaut während des Fastens
Dr. med. Caroline Habold, Institut Pluridisciplinaire Hubert Curien, Centre National de la Recherche Scientifique CNRS, Strasbourg

Animals in their natural habitat can survive prolonged periods of fasting: up to four months for the emperor penguin, one to several months for pythons, several weeks for mammals during the cold season. In the early 80s, Goodman et al. and Le Maho et al. showed that the whole body metabolism was not constant throughout a long fast, and could describe three differing phases: the short phase I, characterized by the exhaustion of glycogen stores; the phase II, defined by the use of lipid reserves for energy expenditure; the late phase III, marked by an increasing protein catabolism. Even if these changes are accompanied by a severe atrophy of digestive organs, animals can re-feed successfully whatever the duration of the fasting period was, and rebuild their body reserves. What are the mechanisms permitting intestinal absorption after fasting? Are some nutrients preferably absorbed than others? Does the whole body metabolism interfere?
After the early adaptation to fasting (phase I), an atrophy of the intestinal mucosa occurs and cell proliferation and migration decrease (phase II fast). During a phase III fast however, intestinal cell proliferation strongly increases and may therefore initiate mucosal repair well before food becomes available. Also, a phase III fast induces an arrest in intestinal epithelial apoptosis at the tip of intestinal villi, suggesting preservation of absorptive cells. The unaltered and even increased absorption capabilities of the intestine during a phase III fast when the animal reaches a low threshold in nutrient reserves, coincides with a search for food activity and could permit food assimilation immediately after refeeding. Commonly, expression of intestinal hexoses’ transporters increases with the concentration of sugar in the intestinal lumen. However, an increase in glucose absorption has been observed after “short” periods of fasting i.e. corresponding to phase I or II, when the amount of glucose transporters in the enterocytes membrane should be lowered. This could be explained by an increase in membrane permeability or even by more sodium/glucose cotransporters SGLT1 in the apical membrane and/or by a decrease in intracellular sodium concentration triggering glucose transport via SGLT1. The increase in the density of SGLT1 in the enterocytes apical membrane has however, not been confirmed by other studies (for review, see Ferraris and Carey, 2000). Fructose absorption via the apical transporter GLUT5 has been shown to increase after a short fast. On the contrary, the baso-lateral transporter GLUT2 involved in hexoses release to the blood stream shouldn’t be affected by a caloric restriction. In our study (Habold et al., 2005), we clearly showed a difference in the expression of SGLT1 according to the metabolic and hormonal state reached by fasting rats, that could explain the previous differing findings. As there is no difference in the amount of SGLT1 protein and mRNA between normally fed and phase II fasting rats, we observed a significant increase from these values during the longer fasting phase III. After having perfused the small intestine with a glucose solution, we observed a significant increase in glucose absorption in phase III but also a slight one in phase II fasting rats that do not show an increase in SGLT1 transporters. This last result suggested that glucose may also cross the small intestine epithelium via a paracellular way due to an increase in epithelial permeability upon fasting. Unlike SGLT1, the facilitative apical GLUT5 and baso-lateral GLUT2 are down-regulated throughout fasting whatever the phase is. If GLUT2 is absent from the enterocytes baso-lateral membrane, how can the glucose entering in the cell at the apical pole via SGLT1, be released to the blood stream during fasting? By studying intestinal gluconeogenesis, according to the availability in gluconeogenic precursors, i.e. glycerol in phase II and amino acids in phase III fasting, we measured an increase in the img_0526.jpggene expression, protein level and activity of the glucose-6 phosphatase (Glc6Pase) during phase III. We hypothesized that this enzyme could then, be involved not only in endogenous glucose production during the fast, but also in the release of glucose to the blood stream as described by Stumpel et al. (2001) in the absence of the baso-lateral transporter GLUT2. According to this study, glucose absorbed through SGLT1 is phosphorylated into glucose-6 phosphate before entering the endoplasmic reticulum where it is hydrolyzed by Glc6Pase to glucose and phosphate. Glucose then re-enters the cytosol and diffuses out of the enterocytes by a membrane traffic pathway. So, during the late phase III fasting, the increase in SGLT1 and Glc6Pase should permit the rapid absorption of glucose even at low concentration when food is restored. Refeeding following either a phase II or a phase III fast stimulates the gene and protein expressions of GLUT5 and GLUT2. Furthermore, we observed that after only two hours refeeding, GLUT2 was mainly located at the apical membrane. Recruitment of GLUT2 in the brush border membrane involves a protein kinase C pathway activated by glucose absorption via SGLT1 (Kellett, 2001) and can then permit absorption of glucose at high concentrations.

The metabolic and hormonal status of fasted animals modifies the expression of intestinal hexoses’ transporters, but further research is required to describe other transporters and to answer the question if some key nutrients may be preferentially absorbed depending on the fasting phase. This would bring new perspectives in the renutrition of patients suffering from severe denutrition associated to anorexia or cachexia for example.

References:
Ferraris RP, Carey HV (2000) Intestinal transport during fasting and malnutrition. Annu Rev Nutr. 20:195-219.

Goodman MN, Larsen PR, Kaplan MN, Aoki TT, Young VR, Ruderman NB (1980) Starvation in the rat. II. Effect of age and obesity on protein sparing and fuel metabolism. Am J Physiol 239:E277-E286.

Habold C, Foltzer-Jourdainne C, Le Maho Y, Lignot JH, Oudart H. (2005) Intestinal gluconeogenesis and glucose transport according to body fuel availability in rats. J Physiol 566(Pt 2):575-86.

Kellett GL (2001) The facilitated component of intestinal glucose absorption. J Physiol 15(531 Pt 3):585-95.

Le Maho Y, Vu Van Kha H, Koubi H, Dewasmes G, Girard J, Ferre P, Cagnard M (1981) Body composition, energy expenditure, and plasma metabolites in long-term fasting geese. Am J Physiol 41:E342-E354.

Stumpel F, Burcelin R, Jungermann K, Thorens B (2001) Normal kinetics of intestinal glucose absorption in the absence of GLUT2: evidence for a transport pathway requiring glucose phosphorylation and transfer into the endoplasmic reticulum. Proc Natl Acad Sci U S A 25;98(20):11330-5.

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BERICHT & BEITRÄGE
38. ÄGHE-Fortbildung am 26.6.2010 in Zürich

Kasuistiken in der Fastentherapie: Hashimoto-Thyreoiditis
Ein Fallbericht von Dr. Matthias Menschel, Menschels Vitalressort, Bad Sobernheim www.menschel.com

51 jährige Pat., Hashimoto-Thyreoiditis seit 2007 mit massiv erhöhten MAK/TPO-Antikörpern zwischen 4.300 und 16.900IU/ml, dabei trotz regelmäßiger Schilddrüsenhormonsubstitution mit zuletzt l-Thyroxin 100 stark schwankende Schilddrüsenstoffwechsellage (TSH lag zwischen 0,5 und 11,6, die peripheren Hormone fT3 und fT4 lagen dabei praktisch immer im Normbereich, Pat. bringt insgesamt ca. 16 Laborwerte zwischen 2007 und 2010 mit). Insgesamt subjektiv reduzierte Leistungsfähigkeit, arbeitet halbtags, nach 4h Arbeit sehr müde und erschöpft.

Pat. fastet 13 Tage (23.03.-4.4.2010) mit anschließender Aufbaukost. Das Labor 3 Tage nach dem Fastenbrechen zeigt folgende Werte: MAK/TPO-AK 199 IU/ml, damit Rückgang um ca. 95% gegenüber dem letzten Wert 12/2009, TSH 1,18 uU/ml. Kontrolle 4 Wochen nach dem Fasten: Anstieg MAK/TPO-AK auf 482 IU/ml, TSH 1,84 uU/ml, aber immer noch 90% niedrigerer MAK/TPO-AK-Wert als vor dem Fasten und den vergangenen 3 Jahren. Pat. wird mir über weiteren Verlauf berichten. Dies ist eine Ergänzung zu einem Fastenverlauf eines Pat. mit Hashimoto-Thyreoiditis, über den im vergangenen Jahr im Rahmen einer ÄGHE-Fortbildungstagung berichtet wurde.

Weitere Fallberichte können hier als pdf abgerufen werden:
Dr. Eva Lischka: Kasuistiken zu einer KHK und einer Urticaria
Dr. Rainer Stange: Kasuistik zu einer Hepatopathie

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BERICHTE & BEITRÄGE

Die 39. ÄGHE-Fortbildung am 27.11.2010 im Immanuel-Krankenhaus, und Zentrum für klinische Naturheilkunde in Berlin-Wannsee

Gluten, Rheuma und Energiestoffwechsel auf der 39. Fortbildungstagung der ÄGHE in Berlin

Ein Bericht von Dr. Rainer Matejka
Die mit 52 Teilnehmer wiederum gut besuchte Tagung befasste sich schwerpunktmäßig mit den Themen Gluten in der Ernährung, rheumatische Erkrankungen und Energiestoffwechsel.

Nach Vorstellung der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus durch Dr. Rainer Stange berichtete Dr. rer. nat. Michael Boschmann von der Charité, Berlin, über neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Flüssigkeitshaushalt und Energiestoffwechsel. Konkret ging er der Frage nach, ob Wassertrinken einen Einfluß auf den Metabolismus habe. Der Referent beschrieb einen deutlichen sympaticus-aktivierenden Effekt nach Aufnahme von einem halben Liter kühlem Wasser. Zehn Minuten danach komme es zu einem Anstieg des Energieumsatzes um 25-30 % für einen Zeitraum von ca. 90 Minuten. Bei Männern werde vor allem die Lipolyse gefördert, bei Frauen der Kohlenhydratumsatz. Ersetzt man Leitungswasser durch eine physiologische Kochsalzlösung ist dieser Effekt wesentlich geringer ausgeprägt. Die regelmäßige Aufnahme von Wasser vor einer Mahlzeit kann somit wahrscheinlich eine Gewichtsreduktion sinnvoll unterstützen. Wasser habe einen Insulinpermissiven Effekt, unterstütze also dessen Arbeit. Bezogen auf ein Jahr soll die tägliche Aufnahme von zwei Litern Wasser die Verbrennung von 5 Kilo Fettgewebe fördern.

Dr. med. A. Barmeyer, ebenfalls Charité, Berlin, berichtete über neuere Forschungsergebnisse zur Glutenunverträglichkeit. Demnach bestehe eine Prävalenz von rund 1 : 300 für das Auftreten einer verdeckten Glutenintoleranz, wobei von der klassischen Zöliakie atypische subklinische und silente Varianten zu unterscheiden sind. Zum Nachweis eigne sich besonders die Untersuchung von IgA Endomysiumantikörper sowie IgA Transglutaminase – Antikörper. An die Möglichkeit einer Glutenintoleranz solle vor allem dann gedacht werden, wenn atypische Beschwerdebilder bestehen, die bislang keiner klinischen Besserung zugeführt werden konnten. Zu solchen Symptomen zählen auch neurologische Erscheinungen wie zerebelläre Ataxie, Epilepsie, Myasthenia gravis, Hinterstrangsymptome, dermatologische Erkrankungen wie Dermatitis herpetiformis Duhring, Psoriasis, Aphthen, atopische Diathese, fernerhin Völlegefühl, unklare Transaminasenerhöhung, Adynamie, Diabetes Typ I, Sjögren-Syndrom, rezidivierende Aborte und Kleinwuchs.

Frau Ilka Barbara Mlosch, Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft, Berlin, berichtete über die besondere Problematik einer glutenfreien Kost. Selbst ein Messer, mit dem ein herkömmliches Brot geschnitten wurde, könne bereits zur Übertragung kleiner Glutenspuren führen. Vermieden werden sollte auch Holzgeschirr, das Kontaminationen mit sich bringen könnte. Während der gesunde Patient rund 13 g Gluten pro Tag verträgt, können bereits 50 mg beim Zöliakie Patienten zu massiven klinischen Symptomen führen. Die Verwendung spezieller glutenfreier Fertignahrungsmittel könne die Kosten für Ernährung bis zum 10-fachen gegenüber herkömmlicher Nahrung erhöhen. Am wichtigsten im Alltag ist die Verwendung glutenfreier Mehle. Als mögliche Verdickungsmittel können Agar Agar, Gelatine, Guarmehl, Pektin oder Johannisbrotkernmehl verwendet werden.

Nach der Mittagspause wurden unter der Moderation von Dr. Eva Lischka, Überlingen, ausgewählte Fastenkasuistiken zu Polyarthritis, Obstruktives Schlafapneusyndrom und psychovegetative Erschöpfung, Diabetes m. 2 besprochen und erörtert. Download der Kasuistiken als pdf von Frau Dr. Eva Lischka

Dr. Rainer Stange referierte anschließend über das stationäre Fasten von Rheumakranken unter DRG – Bedingungen. In der Quintessenz habe sich gezeigt, daß nach anfänglicher Skepsis auch unter dem Regime der Fallpauschalen entsprechende Behandlungen möglich sind, wenngleich die stationäre Aufenthaltszeit jedoch in vielen Fällen zu kurz ist.

Dr. Gudrun Lind-Albrecht, Düsseldorf, referierte über Forschungsergebnisse von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei Rheumatikern. Konkret waren in einer Studie mehr als 1200 Patienten befragt worden, ob sie signifikante Befindensverschlechterungen nach Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel feststellen konnten. Rund ein Viertel bis ein Drittel der Patienten bejahten diese Frage nachdrücklich. Als hauptsächliche Symptomverstärker wurden Fleisch genannt, hier insbesondere Schweinefleisch, an zweiter Stelle Alkohol, dann Kaffee und Zucker. Diese vier bildeten die vorderen Ranglisten bei allen drei untersuchten Krankheitsbildern: chron. Polyarthritis, Psoriatrische Arthritis und Morbus Bechterew.

Die Veranstaltung in Berlin endete mit der Mitgliederversammlung und Neuwahl des Vorstandes.
Nicht unerwähnt bleiben darf das gemeinsame Abendessen im I Briganti. Die kollegialen Gespräche in mediterraner Feinkostatmosphäre rundeten die Tagung in idealer Weise ab!

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BERICHT & BEITRÄGE

Die Wissenschaftliche Sitzung der ÄGHE auf der 43. Medwoche in Baden-Baden am 31.10.2009

Die ÄGHE in Baden-Baden: Ein voller Erfolg!

Ein Tagungsbericht von Dr. Rainer Matejka
Über eine „volle Hütte“ konnten sich die Veranstalter der Tagung der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) im Rahmen der Medizinischen Woche freuen. Wie die beiden Tagungsvorsitzenden Dr. Eva Lischka, Überlingen und Dr. Rainer Matejka, Kassel (Foto li.) zufrieden resümierten, fand ganz offensichtlich die Themenauswahl der am 31.10. 2009 in Baden-Baden durchgeführten Veranstaltung bei den Zuhörern großen Anklang:

Dr. Axel Bolland (Bad Sobernheim) referierte über die zunehmende Problematik der Glutenintoleranzen und betonte die strukturelle Ähnlichkeit zwischen Gliadin im Getreide und Kuhmilcheiweißen. Dadurch verstärkten sich gegenseitige Überempfindlichkeiten. Zudem entfalte Gluten eine Art Suchtpotenzial.

Der Oecotrophologe Dr. Edmund Semler (Stuttgart) referierte über Vor- und Nachteile der Rohkosternährung, wobei Semler umfangreiche Recherchen zu dieser Thematik in den letzten Jahren durchgeführt hat. Rohkost als Heilnahrung hat sich in vielen Fällen gut bewährt, als Dauernahrung ist sie jedoch im Regelfall nicht geeignet, teilweise auch von ideologisch durchsetzten, manchmal sogar fanatischen Denkweisen geprägt.

Dr. Matthias Menschel (Bad Sobernheim) berichtete über Möglichkeiten der gesunden Ernährung bei Erschöpfungssyndromen, wobei der Schwerpunkt auf eine leichte, mediterran betonte, möglichst vollwertige Kost gelegt werden sollte.

Im zweiten Teil skizzierte Dr. Martha Ritzmann-Widderich (Rottweil) anhand konkreter Beispiele die Modalitäten zur Durchführung des ambulanten Fastens in Kleingruppen. Ritzmann-Widderich begleitet seit Jahren ambulante Fastengruppen in der Allgemeinarztpraxis. Auch hier bewähre sich das Fasten nicht nur für Gesunde, sondern bei zahlreichen Zivilisationskrankheiten, insbesondere aus dem rheumatischen und metabolischen Formenkreis.

Dr. Norbert Lischka (Überlingen) referierte über das umstrittene Thema des Jojo-Effektes beim Fasten. Heilfasten nach Buchinger richtig durchgeführt helfe, den Jojo Effekt zu vermeiden, dies bestätige nicht nur die praktische Realerfahrung, sondern auch einige Follow-up Studien.

Abgerundet wurde das Programm durch Falldarstellungen von Dr. Eva Lischka (Überlingen). Gerade bei den Einzelfallbeschreibungen wird immer wieder deutlich, daß Heilfasten selbst bei komplexen, austherapierten Beschwerdebildern nicht nur Linderung verschaffen kann, sondern oft einen kausalen Heilansatz bietet.

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BERICHTE & BEITRÄGE

Die ÄGHE auf der 44. Medwoche in Baden-Baden am 30.10.2010

Fasten bei Hauterkrankungen
Dr. med. Angelika Brenke und PD. Dr. med. Rainer Brenke (CA), Hufeland-Klinik Bad Ems

Problemstellung: Viele Hauterkrankungen wie die Neurodermitis oder Psoriasis verlaufen chronisch und sind nach heutigem Wissen im klassischen Sinne nicht „heilbar“. Die oft langzeitige externe oder interne medikamentöse Therapie erhöht das Risiko von Nebenwirkungen – die Suche nach naturheilkundlichen Alternativen ist verständlich. Dabei sind die Mitarbeit des Patienten und eine Änderung von Lebensgewohnheiten oft von entscheidender Bedeutung. Das Heilfasten kann dabei einen wesentlichen Therapiebaustein darstellen und Anstoß für eine andere, gesundheitsfördernde Ernährung aber auch einen anderen Lebensstil allgemein sein. In der Regel ist das Heilfasten Teil eines komplexen Behandlungsprogrammes, zu dem neben anderen naturheilkundlichen Ansätzen natürlich auch eine sanfte schulmedizinische dermatologische Therapie gehört. Es eignet sich besonders bei akuten Verschlechterungen und – zum Beispiel bei der Psoriasis – bei einem begleitenden metabolischen Syndrom. Kontraindikationen müssen auch bei Drängen der Patienten streng beachtet werden – das gilt besonders für Neurodermitis-Patienten, die der Ernährung oft eine überragende Bedeutung zuschreiben.

Patientengut und Methodik: Es wird über die Verläufe einer stationären naturheilkundlich geprägten Intervention an insgesamt 354 Patienten mit häufigen Hauterkrankungen berichtet. 114 dieser Patienten unterzogen sich einem Heilfasten nach Buchinger. Von den 354 Patienten litten 113 an einer Neurodermitis, 204 an einer Psoriasis, 13 an einer Urticaria und 24 an einem Ulcus cruris. Das Alter lag um Durchschnitt um 50 Jahre, lediglich die Patienten mit Ulcus cruris waren im Mittel älter als 60 Jahre. Mit Ausnahme der Psoriasis überwog das weibliche Geschlecht, was auch an der Präferenz von Naturheilverfahren durch Frauen liegen mag. Die Häufigkeit des Fastens lag mit über 50% bei den Urticaria-Patienten am höchsten, gefolgt von den Patienten mit Neurodermitis. Von den Psoriasis-Patienten fastete nur jeder vierte, von den Patienten mit Ulcus cruris nur jeder zehnte, was auch an dem höheren Alter und den damit häufigeren Kontraindikationen liegt. Im Durchschnitt waren die Patienten, die fasteten, 5 Jahre jünger als die ohne Fasten. Der BMI lag bei den Fasten-Patienten höher, wenngleich Durchschnittswerte von 30 oder mehr bei den häufigen Diagnosen Psoriasis und Neurodermitis nicht erreicht wurden. Die Patienten fasteten im Durchschnitt 7 Tage, hinzu kamen 2 Entlastungstage und 2 bis 3 Aufbautage nach dem Fasten.

Ergebnisse: Ausgewertet wurde neben dem subjektiven Befinden (visuelle Analog-Skala) und dem Gewichtsverlauf vor allem das CRP als Maß für die entzündliche Aktivität. Es wurde davon ausgegangen, dass die gesteigerte endogene Cortisol-Produktion während des Fastens und die fehlende Zufuhr von Arachidonsäure bzw. deren Vorstufen zu einer Entzündungseindämmung führen. Neben den physiologischen Reaktionen bedeutet Fasten aber auch eine Befreiung von unnötigem seelischen Ballast und ein „zur Ruhe Kommen“ sowie eine Wendung nach innen und ein Loslassen von äußeren Dingen. Dies ist gerade auch bei seelisch oft stark belasteten dermatologischen Patienten, die unter ihrer auch für andere sichtbaren Krankheit sowie (besonders bei der Neurodermitis) einem oft quälenden Juckreiz leiden, von großer Bedeutung. Um O. Buchinger (1945) zu zitieren: „Fasten ist eben doch keine rein medizinische Angelegenheit“.
Das Fasten wurde von fast allen Patienten als eine angenehme Erfahrung erlebt, während des insgesamt 2 bis 3 wöchigen stationären Aufenthaltes sanken die subjektiven Beschwerden auf etwa 25 bis 30 % des Ausgangswertes ab. Gleichzeitig normalisierten sich erhöhte CRP-Werte, wobei aber keine signifikanten Unterschiede zwischen den Patienten, die fasteten und denen, die nicht gefastet haben, gefunden werden konnten. Allerdings ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Fastendauer und dem CRP-Wert bei der Aufnahme. Patienten mit erhöhter entzündlicher Aktivität haben also länger gefastet.
Von wesentlicher Bedeutung sind die Langzeitergebnisse, die wir durch die Auswertung von Daten der Patienten erhielten, die wiederholt zur stationären Aufnahme kamen. Zwischen den stationären Aufenthalten, bei denen die Wiederaufnahme meist nach ein bis zwei Jahren erfolgte, zeigten im Durchschnitt nur die Patienten eine gewünschte weitere Gewichtsabnahme, die beim ersten Aufenthalt gefastet hatten. Ein Jo-Jo-Effekt war also nicht zu beobachten. Offenbar handelt es sich bei den Patienten, die zum Fasten motiviert werden konnten, auch um diejenigen, die am ehesten zu einer Änderung ihres Lebensstils und ihrer Ernährungsgewohnheiten bewegt werden konnten. Ähnlich verhielt es sich mit der entzündlichen Aktivität. Auch hier war nur bei den Patienten, die beim ersten stationären Aufenthalt fasteten, zwischen den Behandlungen ein weiterer Abfall der CRP-Aktivität zu beobachten. Bei den Patienten, die nicht fasteten, kam es dagegen zu einem Anstieg, wobei aber auch unterschiedliche Ausgangswerte eine Rolle spielen können.
Zusammenfassend kann man das Heilfasten als eine ausgezeichnete Methode ansehen, um einen Beitrag zu leisten, Entzündungserscheinungen an der Haut und auch im gesamten Organismus zum Abklingen zu bringen. Bei Bestehen eines metabolischen Syndroms mit Übergewicht oder einer Adipositas kann es einen Motivationsschub zur Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion auslösen. Fasten kann zur psychischen Stabilisierung und zur allgemein „gesünderen“ Lebensweise im Sinne einer „Ordnungstherapie“ beitragen. Oft gibt es die Möglichkeit zur Reduktion klassischer und manchmal mit Nebenwirkungen belasteter Medikamente.

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BERICHTE & BEITRÄGE
ÄGHE auf der 44. Medwoche in Baden-Baden

Von Trennkost zu „Schlank im Schlaf“ und „metabolic balance“
Dr. oec. troph. Edmund Semler, Stuttgart, Academia Diaetetica

Der US-amerikanische Arzt William Howard Hay (1866-1940) entwickelte in den 1920er Jahren ein Ernährungskonzept, das in den USA als “Hay System“ und später im deutschsprachigen Raum als „Haysche Trennkost“ bekannt wurde. Die wesentlichen ursprünglichen Prinzipien dieser Kostform bestehen im getrennten Verzehr von kohlenhydratreichen und proteinreichen Lebensmitteln, dem Vermeiden von Zwischenmahlzeiten und dem Verzehr von möglichst naturbelassener Nahrung. Jüngere populäre Ernährungskonzepte wie “Schlank im Schlaf“ und “metabolic balance“ basieren auf den beiden erstgenannten Wirkprinzipien. Zudem spielt die Wirkung der Nahrung auf den Insulinspiegel eine zentrale Rolle. Ein gravierender Schwachpunkt von “Schlank im Schlaf“ ist die Nichtbeachtung der Lebensmittelqualität (z.B. permanente Empfehlung von 5 Nutella-Weißbrötchen als ideales Frühstück). Dieses Ernährungskonzept führt zwar kurzfristig erfahrungsgemäß zur Entfettung, ist aber vor allem als langfristige Ernährung abzulehnen. Es entspricht nicht den wissenschaftlichen Prinzipien für eine gesund erhaltende Ernährung, wozu in erster Linie der möglichst geringe Verarbeitungsgrad der Lebensmittel zählt. Bei “Metabolic Balance“ ist es eine befremdende Theorie zur Übersäuerung („Eiweißüberhang“) und die Erstellung eines individuellen Ernährungsplans auf Basis von 36 Blutwerten und persönlichen Angaben, was mehr als fragwürdig erscheint. Beide Ansätze sind anhand der vorliegenden Literatur sowohl für den Ernährungswissenschaftler als auch für den Mediziner nicht ansatzweise nachvollziehbar. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung und aus der Chronobiologie weisen darauf hin, dass neben dem möglichst geringen Verarbeitungsgrad der Nahrung auch diese beiden Ansätze (Trenn-Regel nach Hay, Essenspausen von 5 Stunden) in der Prävention und vor allem in der Therapie von Übergewicht und Adipositas vermehrt Beachtung finden sollten. Speziell der Einfluss von Kostformen auf Sekretion und Tagesprofil von Insulin sollte gründlich erforscht werden. Beim gesunden Essen und beim gesunden Abnehmen kommt es auch auf den richtigen Zeitpunkt und Rhythmus an.

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BERICHTE & BEITRÄGE
ÄGHE auf der 44. Medwoche in Baden-Baden 2010

Kasuistiken in der Fastentherapie: rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes und metabolisches Syndrom von Dr. Eva Lischka, Überlingen

Der komplette Beitrag als pdf:

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WISSEN & WERT

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WISSEN & WERT

Falsches Fasten: Kopfschmerzen durch Kaffeeverzicht
Forscher aus Israel haben einen Zusammenhang zwischen Ramadan-Fasten und der Schwere sowie Häufigkeit von Migräneattacken festgestellt. (Anmerkung der ÄGHE-Redaktion: Das heutzutage häufig praktizierte Ramadan-Fasten stellt in gewissem Sinne eine Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus mit sehr viel Essen in Nacht dar. Es ist daher nicht mit der von der Ärztegesellschaft Heilfasten vertretenen Fastenmethode nach Buchinger vergleichbar). Fasten im Ramadan heißt auch: nichts trinken. Im August beginnt der Ramadan – konsequentes Fasten bei Tag ist für gläubige Muslime Pflicht. Aber Fasten heißt auch: nichts trinken. Forscher aus Israel haben jetzt eine Studie veröffentlicht, in der sie die Folgen des Fastens auf Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken untersuchten. Gemeint ist beim Fasten vor allem der Verzicht auf Flüssigkeiten und die daraus folgende Dehydrierung des Körpers.

Die Forscher ließen 32 Probanden ein Migränetagebuch führen – und zwar während des Fastenmonats und auch während des Monats danach. 30 der Versuchspersonen hielten das Fasten durch, zwei mussten es wegen unerträglicher Attacken abbrechen. Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Während des Fastens litten die Patienten an durchschnittlich 9,4 Tagen unter Migräne. Im darauf folgenden Monat „nur“ an 3,7 Tagen. Interessanterweise waren die Migräneattacken zwar deutlich länger, aber nicht häufiger. Außerdem waren sie in der Fastenzeit häufiger mit einer Migräneaura assoziiert: Hierbei bemerken die Betroffenen vor dem Beginn der Kopfschmerzen typischerweise ein sternförmiges Flirren vor den Augen, das langsam zunimmt und das Gesichtsfeld verkleinert, dann aber wieder abnimmt – und dem am Schluss die schmerzhafte Attacke folgt (diese Aura selbst ist nicht schmerzhaft und hat den Vorteil, dass man sofort Medikamente gegen die folgenden Schmerzen einnehmen kann, die besser wirken, je früher sie eingenommen werden). Hinzu kommt, dass während der Fastenzeit der normale Schlaf-Wach-Rhythmus oft verändert wird, da die Mahlzeiten sehr früh (vor Sonnenaufgang) beziehungsweise sehr spät (nach Sonnenuntergang) eingenommen werden – und bei Migränepatienten können Veränderungen eines sonst regelmäßigen Tagesablaufs wiederum eine Attacke auslösen oder verlängern.
Die Konsequenz für Ärzte: Sie sollten ihre muslimischen Patienten vor dem Ramadan-Fasten über die Nebenwirkung des Flüssigkeitsentzugs aufklären. Und über die Folgen eines plötzlichen Koffeinverzichts: Denn auch bei regelmäßigen Kaffeetrinkern besteht die Gefahr, dass Migräneattacken durch den Entzug länger andauern (eine alte Erfahrung: Die häufigste Ursache für Kopfschmerzen nach Operationen sind nicht die Narkosemittel, sondern der ungewohnte Kaffeeverzicht vor und nach der Operation). Aber der Arzt kann bei starker Migräne eine medikamentöse Migränevorbeugung empfehlen, die nachts außerhalb der Ramadan-Fastenzeit eingenommen werden kann. Übrigens sind Kranke vom Ramadan-Fastengebot ausdrücklich ausgenommen – und Migräne ist eine schwere, wenn auch keine gefährliche Krankheit. (Anmerkung der ÄGHE-Redaktion: Migräne ist für korrekt durchgeführtes Buchinger-Fasten eine sehr gute Indikation.)  Quelle: www.ksta.de Autor: M. Heier

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WISSEN & WERT

Hungriges Immunsystem: Fasten aktiviert FOXO
In Hungersituationen, die für die Körperzellen Stress bedeuten, schüttet der Mensch vermehrt antimikrobielle Peptide aus, um sich zu schützen. Biomediziner um Michael Hoch von der Universität Bonn haben diesen Immunmechanismus entdeckt und publizierten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature (doi:10.1038/nature08698).
Damit das Immunsystem nicht ständig aktiviert ist und so möglicherweise chronische Entzündungen tcell_dependent_bcell_act.jpgverursacht, ist an der Grenze zwischen Körper und Außenwelt ein separates Abwehrsystem vorgeschaltet. Dies ist nötig, da sich auf Lunge und Haut, den Barriere-Geweben, physiologischerweise Bakterien befinden.
Unter diese „guten“ Bakterien mischen sich immer wieder pathogene Keime. Bevor diese in den Körper eindringen können, tritt ein Mechanismus in Kraft, der völlig unabhängig von den klassischen Immunabwehrsystemen wirkt.
Die Forscher konnten zeigen, dass dieses natürliche Immunabwehrsystem über den sogenannten Insulinsignalweg direkt an den Stoffwechsel-Status gekoppelt ist: Bei einem niedrigen Insulinspiegel wird der so genannte FOXO-Transkriptionsfaktor aktiviert. Ein Transkriptionsfaktor kann Gene an- und abschalten. FOXO schaltet bei Energiebedarf Gene für Abwehrproteine an. Diese antimikrobiellen, also Mikroorganismen inaktivierende, Peptide werden daraufhin aus den Körperzellen ausgeschleust. Sie zerstören eventuelle pathogene Keime, indem sie deren Zellwände auflösen. Faszinierend an diesem Mechanismus sei, dass eine Funktion des Immunsystems direkt davon abhänge, wie viel und was der jeweilige Mensch esse, so die Forscher. In Hungersituationen, die für die Körperzellen Stress bedeuten, schütte der Körper vorsichtshalber vermehrt antimikrobielle Peptide aus, um sich zu schützen. „Die Barriere zwischen Körper und Außenwelt wird wohl in einer möglichen Gefahrensituation gestärkt, in der wir zu wenig Energie haben“, vermutet Hoch. Volkskrankheiten wie Diabetes Mellitus Typ2 oder Adipositas gehen häufig mit vermehrten Entzündungen der Barriere-Gewebe, einem gestörten Immunsystem und einer insgesamt verkürzten Lebenszeit einher. Die Ergebnisse der aktuellen Studie könnten neue Ansatzpunkte zum Verständnis dieser Erkrankungen liefern, so die Hoffnung der Gruppe. hil © hil/aerzteblatt.de

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BUCH & TIPP

Otto Buchinger sen. hören als Podcast: 20. Juli 1920 – Der Arzt Otto Buchinger eröffnet seine erste Fastenklinik

Vitalität, Optimismus und innere Ruhe. Geistige Klarheit, strahlendes Aussehen und Glücksgefühle. Kurz: mentale und körperliche Fitness verspricht die Buchinger Heilfastenmethode. Ihr Begründer, Otto Buchinger, war 1917 an einer lebensbedrohlichen Infekt-Arthritis erkrankt. Die Kaiserliche Marine entließ den Militärarzt nach 16 Dienstjahren als Vollinvaliden. Die herkömmliche Medizin versagte. Erst eine dreiwöchige Fastenkur „rettete mir Existenz und Leben“. Er konnte die Gelenke wieder bewegen, wurde Dozent an der Kolonialschule in Witzenhausen an der Werra und eröffnete hier im Juli 1920 seine erste kleine Fastenklinik. Mit wachem Geist, Selbstdisziplin und Überzeugungskraft widersetzte er sich Spott, Hohn und Anfeindungen und erzielte mit seiner Therapie der körperlichen und seelischen Entschlackung beachtliche Erfolge. Sein Buch „Das Heilfasten“ von 1935 gilt noch heute als Standardwerk.

WDR5 – ZeitZeichen Radiosendung am 20. Juli 2010 von 09:05 Uhr bis 09:20 Uhr
Der vollständige Beitrag kann als Podcast gehört werden unter: http://medien.wdr.de/m/1279531155/radio/zeitzeichen/WDR5_Zeitzeichen_20100720_0920.mp3
oder auch über: www.wdr5.de/nachhoeren/zeitzeichen.html
Autor/in: Susanne Rabsahl   Quelle: www.wdr5.de/sendungen/zeitzeichen


 

Impressum: Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e.V., Wilhelm-Beck-Str.27, 88662 Überlingen. Redaktion: AC Chiappa, Agentur www.capsi-cum.de, T. 0178 1395911 E_mail: presse(at)aerztegesellschaft-heilfasten.de