Häufige Fragen

Wie in den Leitlinien der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung definiert ist Fasten der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit. Bei richtig durchgeführtem Fasten besteht gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl. Fasten betrifft den Menschen in seiner Einheit von Körper, Seele und Geist.

Unverzichtbar dabei sind:
*  eine ausreichende (mindestens 2,5 l pro Tag) kalorienfreie Flüssigkeitszufuhr (Mineralwasser, Tee) sowie natürliche Anteile in flüssiger Form wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig, maximal 2100 KJ (ca. 500 Kcal) pro Tag.
*  die Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm, Leber, Nieren, Lungen, Haut.
*  das Einstellen eines Gleichgewichtes zwischen Bewegung und Ruhe.
*  Sorgfältiger Kostaufbau und Hinführung zu einem gesünderen Lebensstil.

Der menschliche Organismus verfügt physiologischerweise über die Möglichkeit der „Ernährung von Innen“ aus eigenen Reserven. Dabei treten Veränderungen im Stoffwechsel und in der Psyche auf, die in der methodisch korrekten Durchführung des Fastens unbedingt beachtet werden müssen.

Wilhelmi de Toledo, F., Buchinger, A., Burggrabe, H., Gaisbauer, M., Hölz,  G., Kronsteiner, B.,  Kuhn, C., Lischka, E., Lischka, N., Lützner, H.,  May, W., Melchart, D., Michalsen, A. Müller, H., Peper, E., Resch, K.-L., Ritzmann-Widderich, M., Wessel, A., Wichert, H., Stange, R.: Leitlinien zur Fastentherapie; Forsch Komplementärmed. Klass. Naturheilkd. 2002; 9: 189-198.


Die Umstellung auf innere Ernährung erfolgt etappenweise. Zunächst werden die in Form von Glykogen – vornehmlich in der Leber – gespeicherten Kohlehydrate zur Energiegewinnung herangezogen. Diese Reserven sind nach ca. einem Tag verbraucht, so dass dann vorübergehend vermehrt Eiweiß zur Glucosegewinnung herangezogen wird. Als mobilisierbare Eiweißreserven stehen Enzyme des Verdauungstrakts, Darmzotten der Darmschleimhaut, falsch zusammengebaute Enzyme (Defektenzyme) und überflüssiges Struktureiweiß zur Verfügung. Hat z. B. ein übergewichtiger Mann von 140 kg über 70 kg Übergewicht, so sind davon 3 kg Eiweiß (4% des Übergewichts). Wird das überschüssige Fett verbraucht, so wird auch das stützende Bindegewebe überflüssig und kann verstoffwechselt werden. Die Fettspaltung zur Bereitstellung von Fettsäuren, Glycerin und Ketonen als Energielieferanten wird erhöht. Im weiteren Fastenverlauf tritt ein Eiweißsparmechanismus ein. Dies wird ermöglicht durch die weitgehende Umstellung des Gehirnstoffwechsels auf Versorgung von Ketokörpern, so dass weniger Glucose benötigt wird. Der Anteil der Fettverbrennung steigert sich auf bis zu 95%.

Longo VD, Mattson MP Fasting: molecular mechanisms and clinical applications. Cell Metab. 2014 Feb 4;19(2):181-92. doi: 10.1016/j.cmet.2013.12.008
Kraft, K; Stange, R (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates Stuttgart 2010, 819 S.
Stange, R; Leitzmann, C (Hrsg.): Ernährung und Fasten als Therapie. Springer Berlin 2010, 317 S.
Owen OE, Morgan AP, Kemp HG, Sullivan JM, Herrera MG, Cahill GFjr: Brain metabolism during fasting. J Clin Invest 46, 1589-95, 1967


Im Fasten ist die zusätzliche Versorgung mit Eiweiß in der Regel nicht notwendig. Bezüglich des Eiweißstoffwechsels hat das Fasten positive Effekte: Defektenzyme, überflüssiges Struktureiweiß, Antigen-Antikörperkomplexe werden entsorgt. Durch Zugabe kleiner Mengen von Kohlehydraten (Obst-, Gemüsesäfte, Honig) wird bei den bekannten kohlehydratmodifizierten Fastenmethoden der Eiweißverbrauch gegenüber einer Nulldiät um ca. 50% gesenkt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass im Fasten ein Anstieg des Wachstumshormonspiegels die Muskeleiweißressourcen schützt.
Jochen Steiniger et al, Campus Buch, Charité Berlin konnten zeigen, dass 4-wöchiges stationäres Saftfasten nach Buchinger mit Ausdauertraining als unbedenklich anzusehen ist, trotz negativer Stickstoffbilanz und physiologischen Eiweißverlustes. Selbst ein Zuwachs an Muskelkraft und eine deutliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sind bei gleichzeitigem Ausdauertraining während des Fastens möglich.

Steiniger, J., Schneider, A., Bergmann, S., Boschmann, M., Janietz, K.,: Einfluss von therapeutischem Fasten und Ausdauertraining auf den Energiestoffwechsel und körperliche Leistungsfähigkeit Adipöser; Forsch Kompliment med. 2009; 16: 000-000.
Owen, O.E., et al. Proteine, fat and carbohydrate requirements during starvation: anaplerosis and cataplerosis. Am J Clin Nutr 1998; 68 (1): 12-34.
Norrelund, H., et al. The proteine-retaining effects of growth hormon during fasting involve inhibition of muscle-proteine break down. Diabetes 2001; 50 (1): 96-104.
Aoki TT, Muller WA, Brennan MF, Cahill GF jr.: Metabolic effects of glucose in brief and prolonged fasted man. Am J Clin Nutr 1975; 28: 507-511


Dobos und Michalsen konnten in einer Vergleichsstudie von 952 Patienten die über eine Woche gefastet hatten gegenüber 873 Patienten die eine normokalorische-vegetarische Diät erhalten hatten zeigen, dass nach einem halben Jahr die Faster bei gleichem Gesundheitstraining und naturheilkundlicher Behandlung ihren Lebensstil bezüglich Ernährung, Bewegung und Entspannungsmethoden nachhaltiger geändert hatten.
Wilhelmi de Toledo zeigte durch Auswertung von über 400 Fastenverläufen bei Patienten, die mindestens 10 x in der Buchinger-Klinik am Bodensee gefastet hatten, dass 1/3 der Patienten über diesen Zeitraum das Gewicht hielt, 1/3 der Patienten das Gewicht sukzessive verminderte und nur bei 1/3 der Patienten das Gewicht leicht angestiegen war. Wenn man zugrunde legt, dass die Bevölkerung mit zunehmendem Alter Gewicht zunimmt, sprechen die Ergebnisse also bei 2/3 der Patienten für eine Trendwende.
Auch Lützner konnte in der Rehastudie Baden zeigen, dass Fastentherapie als Etappenheilverfahren geeignet ist langfristige Gewichtsabnahme und Lebensstiländerung zu bewirken.

Wilhelmi de Toledo, F., Friebe, R., Hebisch, D., Kuhn, C., Platzer, G., Schark, S.,: Klinik Buchinger Programme for the treatment of obesity. In: Dischuneit, H., Gries, FA., Hauner, H., Schusziarra, V., Wechsler, JG., eds. Obesity in Europe 1993. London: LIBBEY; 1994: 289 – 9
Michalsen A, Hoffmann B, Moebus S, Baecker M, Langhorst J, Dobos GJ.
Incorporation of fasting therapy in an integrative medicine ward: evaluation of outcome, safety, and effects on lifestyle adherence in a large prospective cohort study. J Altern Complement Med. 1(4):601-7, 2005
Eissenhauer, W., Löffler, H.: Rehabilitation heute – Die Rehastudie Baden. Braun, Karlsruhe 1982.


Am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren der Universitätsklinik Jena (Prof. Uhlemann) wurde eine klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose durchgeführt. Es zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion, Befindlichkeits- und Gelenkfunktionsverbesserung sowie signifikante Verminderung von Körpergewicht und BMI, eine Abnahme des Bauchumfangs im Fasten und über den gesamten Studienzeitraum.
Der Analgetikaverbrauch konnte reduziert werden. Entgleisungen autonomer bzw. metabolisch serologischer Parameter wurden nicht beobachtet.
Insbesondere für den Indikationsbereich der rheumatischen Erkrankungen konnten mehrere kontrollierte Studien die Wirksamkeit des Fastens eindeutig belegen, so konnten Kjeldsen-Kragh et al von der Universität Oslo in einer in der Zeitschrift Lancet publizierten randomisierten kontrollierten Studie zeigen, dass bei Patienten mit rheumatoider Arthritis eine 1-wöchige Fastentherapie gefolgt von einem Kostaufbau zu veganer und nachfolgend lactovegetarischer Ernährung zu einer ausgeprägten Beschwerdebesserung und zum Rückgang von Entzündungsparametern über etwa 1 Jahr führte. Die klinische Wirksamkeit der Fastentherapie bei rheumatoider Arthritis wurde inzwischen durch mehrere kontrollierte Studien und eine systematische Übersicht bestätigt.

Schmidt, S., Stange, R., Lischka, E., Kiehntopf, M., Deufel, T., Loth, D., Uhlemann, C.: Unkontrollierte klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose, Forsch Komplement-med. 2010; 17: 87 – 94.
Kjeldsen-Kragh, J., Haugen, M., Borchgrevink, CF., et al.: Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritis. Lancet. 1991; 338: 899 – 902.
Müller, H., Wilhelmi de Toledo, F., Resch, KL.,: Systemic review of clinical studies on fasting and vegetarian diets in the treatment of rheumatoid arthritis. Scand. J. Rheumatol. 2000; 30: 1 – 10.


Klinisch tägige Fastenärzte wissen seit langem, das Patienten mit krankhaftem Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie), Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen (Hypercholesterinämie, Diabetes Typ 2) von der Fastentherapie profitieren. Diabetiker bspw. benötigen während des Fastens in der Regel keine zuckersenkende Medikation. Selbst Insulin kann im Fasten häufig völlig abgesetzt werden, was den Prozess einer meist nötigen Gewichtsabnahme beschleunigt. Der unerwünschte Masteffekt des Insulins entfällt. Nach dem Fasten, je nachdem wie lange der Diabetes schon bestand und wie lange gefastet wurde, werden weniger oder gar keine Medikamente benötigt, wenn der Lebensstil optimiert wird.

In einer englischen Studie konnte durch eine 8-wöchge 600 Kaloriendiät eine Normalisierung der Betazellfunktion und der Insulinsensitivität der Leber bei mit oralen Medikamenten behandelten Typ 2 Diabetikern nachgewiesen werden. Beide Komponenten, die körpereigene Insulinproduktion, wie die Bindungsfähigkeit der Insulinrezeptoren sind die Schlüsselstellen in der Pathogenese des Diabetes mellitus. Diese Studie gewann größtes Interesse, da sie Diabetes mellitus als nun „heilbar“ auswies. Dieser Umstand hat nicht nur eine individuelle Bedeutung für den betroffenen sondern zudem eine sozioökonomische Dimension.

Michalsen A, Li C.: Fasting Therapy for Treating and Preventing Disease – Current State of Evidence. Forsch Komplementmed. 2013;20(6):444-53. doi: 10.1159/000357765. Epub 2013 Dec 16
Stange R, Pflugbeil C, Michalsen A, Uehleke B: Therapeutic fasting in patients with metabolic syndrome and impaired insulin resistance. Forsch Komplementmed 2013;20:421–426.
Lim, E., Hollingwearth, K., Aribisala, BS., Chen, M., Mathers, J., Taylor, R.,: Reversal of Typ II Diabetes: Normalisation of betacell function in association with decreased pancreas and liver triacylglycerol. Diabetologia. 2011; 54:2506-14


Lipecki konnte in einer Dissertation über Migräne an über 400 Fastenverläufen zeigen, dass über 90% der Patienten nach einer Fastentherapie mindestens ½ Jahr deutlich weniger oder gar keine Migräneanfälle mehr durchlitten.

Lipecki R. Klinische Studie zur Effizienz einer kombinierten Heilfastenbehandlung als Migränetherapie. Inaugural-Dissertation Universität Würzburg. 1990, 53 S.


Das Optimum des therapeutischen Buchinger-Fastens liegt zwischen 2 und 4 Wochen, aber immer unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangslage und des Verlaufs. Oft können kürzere Fastenperioden von Vorteil sein, besonders bei Menschen mit geringem Ausgangsgewicht. Bei entsprechender Indikation können längere Fastenzeiten (bis zu 6 Wochen) sinnvoll sein. Die ÄGHE empfiehlt als sinnvolle Mindestdauer einer Fastentherapie 6 – 8 Tage plus 1 Entlastungstag vorher und 3 Aufbautage danach. Für Gesunde, die nicht aus therapeutischen Gründen fasten, hat sich die „Fastenwoche für Gesunde“ bewährt. Erstfaster sollten dies unter Anleitung einer erfahrenen Fastenleitung tun. Die traditionellen Fastenärzte empfahlen als klassische Fastendauer zunächst 21 Tage und gegebenenfalls ein weiteres Fasten nach 6 – 12 Monaten.


Da der Stoffwechsel des menschlichen Körpers über sehr gute Strategien verfügt, Mangelzustände zu überbrücken, kann grundsätzlich jeder fasten. Es gibt wenige Ausnahmen:
– Auszehrung (Kachexie) und Magersucht (Anorexie) wegen zu geringer Reserven
– Zerebrale Insuffizienz bzw. Demenz wegen mangelnder Kooperationsfähigkeit
– Dekompensierte Hyperthyreose wegen außer Kontrolle geratener Schilddrüsenaktivität
– Fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz wegen mangelnder Fähigkeit zur Entgiftung und Ausscheidung
– Schwangerschaft und Stillzeit

Wer Medikamente einnimmt, darf nicht alleine fasten, weil viele Medikamente während des Fastens mit Augenmaß von einem Fastenarzt -am besten ambulant oder in einer Klinik- angepasst werden müssen.


Für eine Fastendauer von 2-4 Wochen ist bei Menschen mit ausgewogenem Ernährungsstatus eine Mikronährstoffsupplementierung in der Regel entbehrlich. Bei Verdacht auf marginale Versorgung mit gewissen Mikronährstoffen und bei erhöhtem Bedarf kann eine Supplementierung durchgeführt werden. Sind in der Vorgeschichte Gichtanfälle bekannt, so wird man während des Fastens eine harnsäuresenkende Medikation verordnen. In jedem Fall ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig, um Gichtanfälle und Nierensteine zu vermeiden. Hilfreich sind auch Basenpräparate, die die Pufferkapazität des Körpers erhöhen.


Nach Abschluss der Primärbehandlung kann auch nach Krebserkrankungen insbesondere bei Übergewicht durch Fasten eine Stoffwechseloptimierung erzielt werden. Hintergrund hierfür ist, dass das viszerale Fettgewebe das größte hormonproduzierende „Organ“ des Körpers ist. Zu diesen Hormonen gehören auch entzündungsfördernde Botenstoffe, die das Krebsgeschehen auslösen und beschleunigen können. Zu Fasten bei bestehendem Tumor gibt es zu wenig valide Daten, um eine Empfehlung auszusprechen zu können. Untersuchungen von Valter Longo zeigen, dass Chemotherapie nach zweitägigem Fasten wirkungsvoller ist und wesentlich besser vertragen wird. Die neurohormonale Situation des Fastenstoffwechsels ist ein Alptraum für die Krebszelle. Es steht wenig Glucose zur Verfügung, der Magendarmtrakt ist ruhiggestellt, dadurch die Entzündungstendenz heruntergefahren. Die laufende Forschung ist vielversprechend.

Lee, C., Longo, V.D.: fasting versus dietary restriction in cellular protection and cancer treatment: from model organisms to patients; Oncogene 2011;30(30):3305-16
Lee C, Raffaghello L, Brandhorst S, Safdie FM, Bianchi G, Martin-Montalvo A, Pistoia V, Wei M, Hwang S, Merlino A, Emionite L, de Cabo R, and Valter D. Longo: Fasting Cycles Retard Growth of Tumors and Sensitize a Range of Cancer Cell Types to Chemotherapy. Science Translational Medicine, Feb 8, 2012 DOI: 10.1126/scitranslmed.3003293 <http://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.3003293>


Nach eventuellen anfänglichen Befindlichkeitsstörungen bemerken die meisten Fastenden eine Stimmungsaufhellung, die auch nach Beendigung des Fastens noch anhält. Arbeiten von Huether machen dafür Veränderungen an den Serotonintransport-Strukturen im Gehirn verantwortlich. Michalsen konnte in einer klinischen Studie eine stimmungsaufhellende Wirkung und Besserung der Vigilanz bei fastenden Schmerzpatienten belegen. Bei einem multimodalen Behandlungskonzept spielen dabei natürlich Bewegungs-, Entspannungs- und Psychotherapie eine maßgebliche Rolle.

Huether, G., Zhou, D., Schmidt, S., Wildfang, J., Ruther, E., : long-term food restriction down- regulates the density of serotonin transporters in the rat frontal cortex. Biol Psychiatry. 1997; 41 (12; 1174-80).
Michalsen, A., Kuhlmann, MK., Ludtke, R., Bäcker, M., Langhorst, J., Dobos, G.: prolonged fasting in patients with chronic pain syndroms leads to late mode–inhancement not related to weight loss and fasting–induced leptin depletion. Nutr Neurosci. 2006; 9 (5-6: 195-200).


Dieser zentrale Muskel ist in seiner Energieversorgung weitgehend unabhängig von der Glucoseversorgung, da er grundsätzlich überwiegend seine Energie aus Abbauprodukten des Fettstoffwechsels bezieht. Ist der Herzmuskel durch langjährigen erhöhten Blutdruck übermäßig angewachsen (Hypertrophie), kann durch das Fasten die Dicke des Herzmuskels reduziert werden. Das für die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels repräsentative natriuretische Peptid (BNP bzw. NT-proBNT) wird durch das Fasten günstig beeinflusst. In zwei epidemiologischen Studien aus Utah, USA fand sich ein deutlicher Hinweis, dass regelmäßiges Fasten das Risiko für Diabetes mellitus Typ2, Hyperlipidämie und koronare Herzerkrankung verringert.

Dessi-Fulgheri,P., Sarzani,R. et al: low calory diet inhances renal, haemodynamic and humoral effects of exogenous atrial peptide in obese hypertensives. 1999; 33: 658-662
Horne, B., et al for the intermountain heart collaborative study: usefulness of routine periodic fasting to lower risk of coronary artery disease in patients undergoing coronary angiography; Am J Cardiol 2008; 102: 814-819
Horne BD et al: Routine Periodic Fasting Is Associated with a Lower Risk of Diabetes and Coronary Artery Disease. Annual Scientific Sessions of the American College of Cardiology New Orleans, USA April 2-5, 2011 e-Abstract:1006-365


In einer kontrollierten japanischen Studie konnte in der Gruppe, die 10 Tage mit 5 Tagen Aufbau gefastet hatte, eine signifikante Besserung von Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Angst und Beeinträchtigung im Leben generell beobachtet werden.

Kanazawa,M., Fukudo,S..Effects of Fasting Therapy on Irritable Bowel Syndrome, International Journal of Behavioral Medicine.2006.Vol.13,No.3,214-220


Der Begriff „Schlacke“ stammt aus der metallerzeugenden Industrie und ist definiert als glasig massiver Rückstand aus thermisch metallurgischen Prozessen. Als Otto Buchinger 1935 den Begriff „entschlacken“ im Zusammenhang mit der der Fastentherapie verwendete, war den Menschen der damaligen Zeit das Wort „Schlacke“ als Bezeichnung für die unverbrannten Rückstände der damals üblichen Kohleöfen vertraut. So entstanden bei den Fastenärzten für einen gestörten Stoffwechsel bildhafte Vergleiche eines rußenden Ofens, der erst dann wieder zöge, wenn er von seinen Schlacken befreit wäre. Im Volksmund hat sich dieser Begriff „entschlacken“ als Sinnbild für das Entfernen von Überflüssigem, Störendem, ja Schädlichem erhalten.

In der konventionellen Medizin gibt es den Begriff „Schlacke“ nicht. Da wir heute die Stoffwechselvorgänge im Körper des Gesunden wie ihre krankhaften Varianten durch die biochemische Grundlagenforschung eigentlich sehr gut verstehen, können wir die Stoffwechselendprodukte, ihre Ausscheidungsvorgänge und mögliche gesundheitliche Schäden durch Varianten und Einschränkungen dieser Vorgänge gut benennen. Für den Laien wird es bei diesen Fragen weiterhin um ‚Schlacken’ und ‚Entschlackung’ gehen, auch wenn als Endprodukt wie im ursprünglichen Sprachgebrauch nur selten feste Konglomerate wie Harnsäuretophi, Steine in ableitenden Flüssigkeitsräumen (Galle, Harnwege, Speicheldrüsen usw.) oder atheromatöse Auflagerungen in den Arterien resultieren, die im übrigen sämtlich nichts mit der Verbrennung von Kohle zu tun haben. Wissenschaftlich erübrigt sich also die Verwendung des Begriffs Schlacke in der Medizin. Es scheint jedoch, als müsse dieser unscharfe umgangssprachliche Sprachgebrauch für viele Kollegen herhalten, um auch die hier gemeinten sehr häufigen und auch sehr ernsthaften Gesundheitsprobleme (s.u.) sowie die Frage nach ihrer günstigen Beeinflussbarkeit z.B. durch Fasten ab zu qualifizieren, weil es ja keine Schlacken gäbe. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit können als wichtige, für die Gesundheit schädliche Stoffwechselteilnehmer chemisch definiert und genau benannt werden:

 Überschüssige Lipide
• überschüssige Energie wird vorrangig in der Lipidspeicherform Triglyceride im Serum und v.a. im Gewebe (Verfettung von Leber, Bauchraum, Unterhautgewebe, Muskeln usw.) eingelagert. Mögliche Folgen sind Fettleber, viszerale Adipositas (s.u.), Muskelverfettung usw..
• erhöhtes Cholesterin wird v.a. in low-density Lipoproteine (LDL-Cholesterin) eingebaut und kann daraus in atheromatöse Auflagen der Arterienwände übergehen, ferner die Entstehung von cholesterinhaltigen Gallensteine begünstigen.
• vermehrtes Fett vorrangig im Bauchraum (viszerale Adipositas), grundsätzlich aber in jedem Fettkompartiment, kann zahlreiche Hormone und Botenstoffe speichern und zu derer erhöhten Produktion beitragen.
Betroffen sind insbesondere Insulin, Angiotensinogen, Hormone wie Östrogene, entzündungsfördernde Interleukine und Tumornekrosefaktor-alpha, gerinnungsfördernde Faktoren wie Plasminogenaktivatorinhibitor 1.

 Erhöhter Anfall von Harnsäure

Ausfall von Harnsäurekristallen in verschiedenen Geweben (Gelenkinnenräume, gelenknahe Weichteile, Nierenparenchym usw.) sind als Gicht definiert, in den ableitenden Harnwegen trägt eine erhöhte Harnsäurekonzentration auch ohne Gicht zur Steinbildung bei.

 Vermehrte Synthese von Makromolekülen
• schädliche, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen: advanced glycation end products (AGE’s) als Promotoren von Arteriosklerose und Alterungsprozessen
• ein Übermaß von Antigen-Antikörper-Komplexen bei Allergien

Heute wissen wir, dass es wiewohl für alle wünschenswert nur bedingt möglich ist, schädliche Stoffe „auszuleiten“. Im komplexen Regelsystem des Organismus gibt es jedoch auch kompensierende Effekte, die z.B. durch eine Fastentherapie gefördert werden können. Diese erzielt in vielen klinischen Situationen eine hohe Ergebnisqualität, da sie offensichtlich viele dieser Regelsysteme positiv beeinflusst: z.B. sinkt erhöhter Blutdruck, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern sich, die Stimmung hellt sich nachhaltig auf, die anti-entzündliche, bzw. immunsuppressive Wirkung führt zur Schmerzreduktion, z.B. an den Gelenken bei Rheuma.

Obschon der Begriff Schlacke in der herrschenden Medizin nicht gebräuchlich ist, hat das „Entschlacken“ schon manchen Patienten zu positiven Lebensstiländerungen bewegt. Fasten befreit auch von „seelischen Schlacken“. Unverarbeitete Erlebnisse, alter Groll und Hader, die während einer Fastentherapie oft unvermittelt wieder an die Oberfläche gespült werden,können wahrgenommen werden und bearbeitet werden, z.B. mit Hilfe einfühlsamer, liebevoller Gesprächstherapie. So fühlt sich der Mensch nach einem optimalen Fasten körperlich und seelisch im Gleichgewicht.



1.         Was versteht man unter Fasten?

Wie in den Leitlinien der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung definiert ist Fasten der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für begrenzte Zeit. Bei richtig durchgeführtem Fasten besteht gute Leistungsfähigkeit ohne Hungergefühl. Fasten betrifft den Menschen in seiner Einheit von Körper, Seele und Geist.

Unverzichtbar dabei sind:
*  eine ausreichende (mindestens 2,5 l pro Tag) kalorienfreie Flüssigkeitszufuhr (Mineralwasser, Tee) sowie natürliche Anteile in flüssiger Form wie Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte und Honig, maximal 2100 KJ (ca. 500 Kcal) pro Tag.
*  die Förderung der Ausscheidungsvorgänge über Darm, Leber, Nieren, Lungen, Haut.
*  das Einstellen eines Gleichgewichtes zwischen Bewegung und Ruhe.
*  Sorgfältiger Kostaufbau und Hinführung zu einem gesünderen Lebensstil.

Der menschliche Organismus verfügt physiologischerweise über die Möglichkeit der „Ernährung von Innen“ aus eigenen Reserven. Dabei treten Veränderungen im Stoffwechsel und in der Psyche auf, die in der methodisch korrekten Durchführung des Fastens unbedingt beachtet werden müssen.

Michalsen A, Li C.: Fasting Therapy for Treating and Preventing Disease – Current State of Evidence. Forsch Komplementmed. 2013;20(6):444-53. doi: 10.1159/000357765. Epub 2013 Dec 16
Wilhelmi de Toledo, F., Buchinger, A., Burggrabe, H., Gaisbauer, M., Hölz,  G., Kronsteiner, B.,  Kuhn, C., Lischka, E., Lischka, N., Lützner, H.,  May, W., Melchart, D., Michalsen, A. Müller, H., Peper, E., Resch, K.-L., Ritzmann-Widderich, M., Wessel, A., Wichert, H., Stange, R.: Leitlinien zur Fastentherapie; Forsch Komplementärmed. Klass. Naturheilkd. 2002; 9: 189-198.

2.       Wie verändert sich der Stoffwechsel im Fasten?

Die Umstellung auf innere Ernährung erfolgt etappenweise. Zunächst werden die in Form von Glykogen – vornehmlich in der Leber – gespeicherten Kohlehydrate zur Energiegewinnung herangezogen. Diese Reserven sind nach ca. einem Tag verbraucht, so dass dann vorübergehend vermehrt Eiweiß zur Glucosegewinnung herangezogen wird. Als mobilisierbare Eiweißreserven stehen Enzyme des Verdauungstrakts, Darmzotten der Darmschleimhaut, falsch zusammengebaute Enzyme (Defektenzyme) und überflüssiges Struktureiweiß zur Verfügung. Hat z. B. ein übergewichtiger Mann von 140 kg über 70 kg Übergewicht, so sind davon 3 kg Eiweiß (4% des Übergewichts). Wird das überschüssige Fett verbraucht, so wird auch das stützende Bindegewebe überflüssig und kann verstoffwechselt werden. Die Fettspaltung zur Bereitstellung von Fettsäuren, Glycerin und Ketonen als Energielieferanten wird erhöht. Im weiteren Fastenverlauf tritt ein Eiweißsparmechanismus ein. Dies wird ermöglicht durch die weitgehende Umstellung des Gehirnstoffwechsels auf Versorgung von Ketokörpern, so dass weniger Glucose benötigt wird. Der Anteil der Fettverbrennung steigert sich auf bis zu 95%.

Michalsen A, Li C.: Fasting Therapy for Treating and Preventing Disease – Current State of Evidence. Forsch Komplementmed. 2013;20(6):444-53. doi: 10.1159/000357765. Epub 2013 Dec 16
Kraft, K; Stange, R (Hrsg.): Lehrbuch Naturheilverfahren. Hippokrates Stuttgart 2010, 819 S.
Stange, R; Leitzmann, C (Hrsg.): Ernährung und Fasten als Therapie. Springer Berlin 2010, 317 S.
Owen OE, Morgan AP, Kemp HG, Sullivan JM, Herrera MG, Cahill GFjr: Brain metabolism during fasting. J Clin Invest 46, 1589-95, 1967

3.       Muss man beim Fasten Eiweiß zuführen? Wie reagieren die Muskeln?

Im Fasten ist die zusätzliche Versorgung mit Eiweiß in der Regel nicht notwendig. Bezüglich des Eiweißstoffwechsels hat das Fasten positive Effekte: Defektenzyme, überflüssiges Struktureiweiß, Antigen-Antikörperkomplexe werden entsorgt. Durch Zugabe kleiner Mengen von Kohlehydraten (Obst-, Gemüsesäfte, Honig) wird bei den bekannten kohlehydratmodifizierten Fastenmethoden der Eiweißverbrauch gegenüber einer Nulldiät um ca. 50% gesenkt. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass im Fasten ein Anstieg des Wachstumshormonspiegels die Muskeleiweißressourcen schützt.
Jochen Steiniger et al, Campus Buch, Charité Berlin konnten zeigen, dass 4-wöchiges stationäres Saftfasten nach Buchinger mit Ausdauertraining als unbedenklich anzusehen ist, trotz negativer Stickstoffbilanz und physiologischen Eiweißverlustes. Selbst ein Zuwachs an Muskelkraft und eine deutliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sind bei gleichzeitigem Ausdauertraining während des Fastens möglich.

Longo VD, Mattson MP Fasting: molecular mechanisms and clinical applications. Cell Metab. 2014 Feb 4;19(2):181-92. doi: 10.1016/j.cmet.2013.12.008
Steiniger, J., Schneider, A., Bergmann, S., Boschmann, M., Janietz, K.,: Einfluss von therapeutischem Fasten und Ausdauertraining auf den Energiestoffwechsel und körperliche Leistungsfähigkeit Adipöser; Forsch Kompliment med. 2009; 16: 000-000.
Owen, O.E., et al. Proteine, fat and carbohydrate requirements during starvation: anaplerosis and cataplerosis. Am J Clin Nutr 1998; 68 (1): 12-34.
Norrelund, H., et al. The proteine-retaining effects of growth hormon during fasting involve inhibition of muscle-proteine break down. Diabetes 2001; 50 (1): 96-104.
Aoki TT, Muller WA, Brennan MF, Cahill GF jr.: Metabolic effects of glucose in brief and prolonged fasted man. Am J Clin Nutr 1975; 28: 507-511

4.      Führt Fasten zu einer anhaltenden Veränderung des Lebensstils?

Dobos und Michalsen konnten in einer Vergleichsstudie von 952 Patienten die über eine Woche gefastet hatten gegenüber 873 Patienten die eine normokalorische-vegetarische Diät erhalten hatten zeigen, dass nach einem halben Jahr die Faster bei gleichem Gesundheitstraining und naturheilkundlicher Behandlung ihren Lebensstil bezüglich Ernährung, Bewegung und Entspannungsmethoden nachhaltiger geändert hatten.
Wilhelmi de Toledo zeigte durch Auswertung von über 400 Fastenverläufen bei Patienten, die mindestens 10 x in der Buchinger-Klinik am Bodensee gefastet hatten, dass 1/3 der Patienten über diesen Zeitraum das Gewicht hielt, 1/3 der Patienten das Gewicht sukzessive verminderte und nur bei 1/3 der Patienten das Gewicht leicht angestiegen war. Wenn man zugrunde legt, dass die Bevölkerung mit zunehmendem Alter Gewicht zunimmt, sprechen die Ergebnisse also bei 2/3 der Patienten für eine Trendwende.
Auch Lützner konnte in der Rehastudie Baden zeigen, dass Fastentherapie als Etappenheilverfahren geeignet ist langfristige Gewichtsabnahme und Lebensstiländerung zu bewirken.

Wilhelmi de Toledo, F., Friebe, R., Hebisch, D.,  Kuhn, C., Platzer, G., Schark, S.,: Klinik Buchinger Programme for the treatment of obesity. In: Dischuneit, H., Gries, FA., Hauner, H., Schusziarra, V., Wechsler, JG., eds. Obesity in Europe 1993. London: LIBBEY; 1994: 289 – 9
Michalsen A, Hoffmann B, Moebus S, Baecker M, Langhorst J, Dobos GJ.
Incorporation of fasting therapy in an integrative medicine ward: evaluation of outcome, safety, and effects on lifestyle adherence in a large prospective cohort study. J Altern Complement Med. 1(4):601-7, 2005
Eissenhauer, W., Löffler, H.: Rehabilitation heute – Die Rehastudie Baden. Braun, Karlsruhe 1982.

5.       Wirkt sich Fasten günstig auf Gelenkerkrankungen aus?

Am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren der Universitätsklinik Jena (Prof. Uhlemann) wurde eine klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose durchgeführt. Es zeigte sich eine signifikante Schmerzreduktion, Befindlichkeits- und Gelenkfunktionsverbesserung sowie signifikante Verminderung von Körpergewicht und BMI, eine Abnahme des Bauchumfangs im Fasten und über den gesamten Studienzeitraum.
Der Analgetikaverbrauch konnte reduziert werden. Entgleisungen autonomer bzw. metabolisch serologischer Parameter wurden nicht beobachtet.
Insbesondere für den Indikationsbereich der rheumatischen Erkrankungen konnten mehrere kontrollierte Studien die Wirksamkeit des Fastens eindeutig belegen, so konnten Kjeldsen-Kragh et al von der Universität Oslo in einer in der Zeitschrift Lancet publizierten randomisierten kontrollierten Studie zeigen, dass bei Patienten mit rheumatoider Arthritis eine 1-wöchige Fastentherapie gefolgt von einem Kostaufbau zu veganer und nachfolgend lactovegetarischer Ernährung zu einer ausgeprägten Beschwerdebesserung und zum Rückgang von Entzündungsparametern über etwa 1 Jahr führte. Die klinische Wirksamkeit der Fastentherapie bei rheumatoider Arthritis wurde inzwischen durch mehrere kontrollierte Studien und eine systematische Übersicht bestätigt.

Schmidt, S., Stange, R., Lischka, E., Kiehntopf, M., Deufel, T., Loth, D., Uhlemann, C.: Unkontrollierte klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose, Forsch Komplement-med. 2010; 17: 87 – 94.
Kjeldsen-Kragh, J., Haugen, M., Borchgrevink, CF., et al.: Controlled trial of fasting and one-year vegetarian diet in rheumatoid arthritis. Lancet. 1991; 338: 899 – 902.
Müller, H., Wilhelmi de Toledo, F., Resch, KL.,: Systemic review of clinical studies on fasting and vegetarian diets in the treatment of rheumatoid arthritis. Scand. J. Rheumatol. 2000; 30: 1 – 10.

6.        Dürfen Patienten mit Diabetiker Typ 2 und Metabolischem Syndrom fasten?

Klinisch tägige Fastenärzte wissen seit langem, das Patienten mit krankhaftem Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie), Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen (Hypercholesterinämie, Diabetes Typ 2) von der Fastentherapie profitieren. Diabetiker bspw. benötigen während des Fastens in der Regel keine zuckersenkende Medikation. Selbst Insulin kann im Fasten häufig völlig abgesetzt werden, was den Prozess einer meist nötigen Gewichtsabnahme beschleunigt. Der unerwünschte Masteffekt des Insulins entfällt. Nach dem Fasten, je nachdem wie lange der Diabetes schon bestand und wie lange gefastet wurde, werden weniger oder gar keine Medikamente benötigt, wenn der Lebensstil optimiert wird.

In einer englischen Studie konnte durch eine 8-wöchge 600 Kaloriendiät eine Normalisierung der Betazellfunktion und der Insulinsensitivität der Leber bei mit oralen Medikamenten behandelten Typ 2 Diabetikern nachgewiesen werden. Beide Komponenten, die körpereigene Insulinproduktion, wie die Bindungsfähigkeit der Insulinrezeptoren sind die Schlüsselstellen in der Pathogenese des Diabetes mellitus. Diese Studie gewann größtes Interesse, da sie Diabetes mellitus als nun „heilbar“ auswies. Dieser Umstand hat nicht nur eine individuelle Bedeutung für den betroffenen sondern zudem eine sozioökonomische Dimension.

Michalsen A, Li C.: Fasting Therapy for Treating and Preventing Disease – Current State of Evidence. Forsch Komplementmed. 2013;20(6):444-53. doi: 10.1159/000357765. Epub 2013 Dec 16
Stange R, Pflugbeil C, Michalsen A, Uehleke B: Therapeutic fasting in patients with metabolic syndrome and impaired insulin resistance. Forsch Komplementmed 2013;20:421–426.
Lim, E., Hollingwearth, K., Aribisala, BS., Chen, M., Mathers, J., Taylor, R.,: Reversal of Typ II Diabetes: Normalisation of betacell function in association with decreased pancreas and liver triacylglycerol. Diabetologia. 2011; 54:2506-14

7.        Hilft Fasten bei Kopfschmerzen und Migräne?

Lipecki konnte in einer Dissertation über Migräne an über 400 Fastenverläufen zeigen, dass über 90% der Patienten nach einer Fastentherapie mindestens ½ Jahr deutlich weniger oder gar keine Migräneanfälle mehr durchlitten.

Lipecki R. Klinische Studie zur Effizienz einer kombinierten Heilfastenbehandlung als Migränetherapie. Inaugural-Dissertation  Universität Würzburg. 1990, 53 S.

8.        Wie lange sollte ein Fasten dauern?

Das Optimum des therapeutischen Buchinger-Fastens liegt zwischen 2 und 4 Wochen, aber immer unter Berücksichtigung der individuellen Ausgangslage und des Verlaufs. Oft können kürzere Fastenperioden von Vorteil sein, besonders bei Menschen mit geringem Ausgangsgewicht. Bei entsprechender Indikation können längere Fastenzeiten (bis zu 6 Wochen) sinnvoll sein. Die ÄGHE empfiehlt als sinnvolle Mindestdauer einer Fastentherapie 6 – 8 Tage plus 1 Entlastungstag vorher und 3 Aufbautage danach. Für Gesunde, die nicht aus therapeutischen Gründen fasten, hat sich die „Fastenwoche für Gesunde“ bewährt. Erstfaster sollten dies unter Anleitung einer erfahrenen Fastenleitung tun. Die traditionellen Fastenärzte empfahlen als klassische Fastendauer zunächst 21 Tage und gegebenenfalls ein weiteres Fasten nach 6 – 12 Monaten.

9. Darf jeder fasten?

Da der Stoffwechsel des menschlichen Körpers über sehr gute Strategien verfügt, Mangelzustände zu überbrücken, kann grundsätzlich jeder fasten. Es gibt wenige Ausnahmen:
–          Auszehrung (Kachexie) und Magersucht (Anorexie) wegen zu geringer Reserven
–          Zerebrale Insuffizienz bzw. Demenz wegen mangelnder Kooperationsfähigkeit
–          Dekompensierte Hyperthyreose wegen außer Kontrolle geratener Schilddrüsenaktivität
–          Fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz wegen mangelnder Fähigkeit zur Entgiftung und Ausscheidung
–          Schwangerschaft und Stillzeit

Wer Medikamente einnimmt, darf nicht alleine fasten, weil viele Medikamente während des Fastens mit Augenmaß von einem Fastenarzt -am besten ambulant oder in einer Klinik- angepasst werden müssen.

10. Muss man Mikronährstoffe während des Fastens zuführen?

Für eine Fastendauer von 2-4 Wochen ist bei Menschen mit ausgewogenem Ernährungsstatus eine Mikronährstoffsupplementierung in der Regel entbehrlich. Bei Verdacht auf marginale Versorgung mit gewissen Mikronährstoffen und bei erhöhtem Bedarf kann eine Supplementierung durchgeführt werden. Sind in der Vorgeschichte Gichtanfälle bekannt, so wird man während des Fastens eine harnsäuresenkende Medikation verordnen. In jedem Fall ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig, um Gichtanfälle und Nierensteine zu vermeiden. Hilfreich sind auch Basenpräparate, die die Pufferkapazität des Körpers erhöhen.

11. Kann man mit einer Krebserkrankung fasten?

Nach Abschluss der Primärbehandlung kann auch nach Krebserkrankungen insbesondere bei Übergewicht durch Fasten eine Stoffwechseloptimierung erzielt werden. Hintergrund hierfür ist, dass das viszerale Fettgewebe das größte hormonproduzierende „Organ“ des Körpers ist. Zu diesen Hormonen gehören auch entzündungsfördernde Botenstoffe, die das Krebsgeschehen auslösen und beschleunigen können. Zu Fasten bei bestehendem Tumor gibt es zu wenig valide Daten, um eine Empfehlung auszusprechen zu können. Untersuchungen von Valter Longo zeigen, dass Chemotherapie nach zweitägigem Fasten wirkungsvoller ist und wesentlich besser vertragen wird. Die neurohormonale Situation des Fastenstoffwechsels ist ein Alptraum für die Krebszelle. Es steht wenig Glucose zur Verfügung, der Magendarmtrakt ist ruhiggestellt, dadurch die Entzündungstendenz heruntergefahren. Die laufende  Forschung ist vielversprechend.

Lee, C., Longo, V.D.: fasting versus dietary restriction in cellular protection and cancer treatment: from model organisms to patients; Oncogene 2011;30(30):3305-16
Lee C, Raffaghello L, Brandhorst S, Safdie FM, Bianchi G, Martin-Montalvo A, Pistoia V, Wei M, Hwang S, Merlino A, Emionite L, de Cabo R, and Valter D. Longo: Fasting Cycles Retard Growth of Tumors and Sensitize a Range of Cancer Cell Types to Chemotherapy. Science Translational Medicine, Feb 8, 2012 DOI: 10.1126/scitranslmed.3003293 <http://dx.doi.org/10.1126/scitranslmed.3003293>

12. Wie wirkt sich Fasten auf die Stimmung aus?

Nach eventuellen anfänglichen Befindlichkeitsstörungen bemerken die meisten Fastenden eine Stimmungsaufhellung, die auch nach Beendigung des Fastens noch anhält. Arbeiten von Huether machen dafür Veränderungen an den Serotonintransport-Strukturen im Gehirn verantwortlich. Michalsen konnte in einer klinischen Studie eine stimmungsaufhellende Wirkung und Besserung der Vigilanz bei fastenden Schmerzpatienten belegen. Bei einem multimodalen Behandlungskonzept spielen dabei natürlich Bewegungs-, Entspannungs- und Psychotherapie eine maßgebliche Rolle.

Huether, G., Zhou, D., Schmidt, S., Wildfang, J., Ruther, E., : long-term food restriction down- regulates the density of serotonin transporters in the rat frontal cortex. Biol Psychiatry. 1997; 41 (12; 1174-80).
Michalsen, A., Kuhlmann, MK., Ludtke, R., Bäcker, M., Langhorst, J., Dobos, G.: prolonged fasting in patients with chronic pain syndroms leads to late mode–inhancement not related to weight loss and fasting–induced leptin depletion. Nutr Neurosci. 2006; 9 (5-6: 195-200).

13. Wie wirkt sich das Fasten auf das Herz aus?

Dieser zentrale Muskel ist in seiner Energieversorgung weitgehend unabhängig von der Glucoseversorgung, da er grundsätzlich überwiegend seine Energie aus Abbauprodukten des Fettstoffwechsels bezieht. Ist der Herzmuskel durch langjährigen erhöhten Blutdruck übermäßig angewachsen (Hypertrophie), kann durch das Fasten die Dicke des Herzmuskels reduziert werden. Das für die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels repräsentative natriuretische Peptid (BNP bzw. NT-proBNT) wird durch das Fasten günstig beeinflusst. In zwei epidemiologischen Studien aus Utah, USA fand sich ein deutlicher Hinweis, dass regelmäßiges Fasten das Risiko für Diabetes mellitus Typ2, Hyperlipidämie und koronare Herzerkrankung verringert.

Dessi-Fulgheri,P., Sarzani,R. et al: low calory diet inhances renal, haemodynamic and humoral effects of exogenous atrial peptide in obese hypertensives. 1999; 33: 658-662
Horne, B., et al for the intermountain heart collaborative study: usefulness of routine periodic fasting to lower risk of coronary artery disease in patients undergoing coronary angiography; Am J Cardiol 2008; 102: 814-819
Horne BD et al: Routine Periodic Fasting Is Associated with a Lower Risk of Diabetes and Coronary Artery Disease. Annual Scientific Sessions of the American College of Cardiology New Orleans, USA April 2-5, 2011 e-Abstract:1006-365

14. Wie wirkt sich Fasten bei Reizdarmbeschwerden aus?

In einer kontrollierten japanischen Studie konnte in der Gruppe, die 10 Tage mit 5 Tagen Aufbau gefastet hatte, eine signifikante Besserung von Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Angst und Beeinträchtigung im Leben generell beobachtet werden.

Kanazawa,M., Fukudo,S..Effects of Fasting Therapy on Irritable Bowel Syndrome, International Journal of Behavioral Medicine.2006.Vol.13,No.3,214-220

15. Warum verwenden Fastende oft den Begriff „ Entschlackung“?

Der Begriff „Schlacke“ stammt aus der metallerzeugenden Industrie und ist definiert als glasig massiver Rückstand aus thermisch metallurgischen Prozessen. Als Otto Buchinger 1935 den Begriff „entschlacken“ im Zusammenhang mit der der Fastentherapie verwendete, war den Menschen der damaligen Zeit das Wort „Schlacke“ als Bezeichnung für die unverbrannten Rückstände der damals üblichen Kohleöfen vertraut. So entstanden bei den Fastenärzten für einen gestörten Stoffwechsel bildhafte Vergleiche eines rußenden Ofens, der erst dann wieder zöge, wenn er von seinen Schlacken befreit wäre. Im Volksmund hat sich dieser Begriff „entschlacken“ als Sinnbild für das Entfernen von Überflüssigem, Störendem, ja Schädlichem erhalten.

In der konventionellen Medizin gibt es den Begriff „Schlacke“ nicht. Da wir heute die Stoffwechselvorgänge im Körper des Gesunden wie ihre krankhaften Varianten durch die biochemische Grundlagenforschung eigentlich sehr gut verstehen, können wir die Stoffwechselendprodukte, ihre Ausscheidungsvorgänge und mögliche gesundheitliche Schäden durch Varianten und Einschränkungen dieser Vorgänge gut benennen. Für den Laien wird es bei diesen Fragen weiterhin um ‚Schlacken’ und ‚Entschlackung’ gehen, auch wenn als Endprodukt wie im ursprünglichen Sprachgebrauch nur selten feste Konglomerate wie Harnsäuretophi, Steine in ableitenden Flüssigkeitsräumen (Galle, Harnwege, Speicheldrüsen usw.) oder atheromatöse Auflagerungen in den Arterien resultieren, die im übrigen sämtlich nichts mit der Verbrennung von Kohle zu tun haben. Wissenschaftlich erübrigt sich also die Verwendung des Begriffs Schlacke in der Medizin. Es scheint jedoch, als müsse dieser unscharfe umgangssprachliche Sprachgebrauch für viele Kollegen herhalten, um auch die hier gemeinten sehr häufigen und auch sehr ernsthaften Gesundheitsprobleme (s.u.) sowie die Frage nach ihrer günstigen Beeinflussbarkeit z.B. durch Fasten ab zu qualifizieren, weil es ja keine Schlacken gäbe. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit können als wichtige, für die Gesundheit schädliche Stoffwechselteilnehmer chemisch definiert und genau benannt werden:

Überschüssige Lipide
•     überschüssige Energie wird vorrangig in der Lipidspeicherform Triglyceride im Serum und v.a. im Gewebe (Verfettung von Leber, Bauchraum, Unterhautgewebe, Muskeln usw.) eingelagert. Mögliche Folgen sind Fettleber, viszerale Adipositas (s.u.), Muskelverfettung usw..
•     erhöhtes Cholesterin wird v.a. in low-density Lipoproteine (LDL-Cholesterin) eingebaut und kann daraus in atheromatöse Auflagen der Arterienwände übergehen, ferner die Entstehung von cholesterinhaltigen Gallensteine begünstigen.
•     vermehrtes Fett vorrangig im Bauchraum (viszerale Adipositas), grundsätzlich aber in jedem Fettkompartiment, kann zahlreiche Hormone und Botenstoffe speichern und zu derer erhöhten Produktion beitragen.
Betroffen sind insbesondere Insulin, Angiotensinogen, Hormone wie Östrogene, entzündungsfördernde Interleukine und Tumornekrosefaktor-alpha, gerinnungsfördernde Faktoren wie Plasminogenaktivatorinhibitor 1.

Erhöhter Anfall von Harnsäure
Ausfall von Harnsäurekristallen in verschiedenen Geweben (Gelenkinnenräume, gelenknahe Weichteile, Nierenparenchym usw.) sind als Gicht definiert, in den ableitenden Harnwegen trägt eine erhöhte Harnsäurekonzentration auch ohne Gicht zur Steinbildung bei.

Vermehrte Synthese von Makromolekülen
•     schädliche, langkettige Zucker-Eiweiß-Verbindungen: advanced glycation end products (AGE’s) als Promotoren von Arteriosklerose und Alterungsprozessen
•    ein Übermaß von Antigen-Antikörper-Komplexen bei Allergien

Heute wissen wir, dass es wiewohl für alle wünschenswert nur bedingt möglich ist, schädliche Stoffe „auszuleiten“. Im komplexen Regelsystem des Organismus gibt es jedoch auch kompensierende Effekte, die z.B. durch eine Fastentherapie gefördert werden können. Diese erzielt in vielen klinischen Situationen eine hohe Ergebnisqualität, da sie offensichtlich viele dieser Regelsysteme positiv beeinflusst: z.B. sinkt erhöhter Blutdruck, Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern sich, die Stimmung hellt sich nachhaltig auf, die anti-entzündliche, bzw. immunsuppressive Wirkung führt zur Schmerzreduktion, z.B. an den Gelenken bei Rheuma.

Obschon der Begriff Schlacke in der herrschenden Medizin nicht gebräuchlich ist, hat das „Entschlacken“ schon manchen Patienten zu positiven Lebensstiländerungen bewegt. Fasten befreit auch von „seelischen Schlacken“. Unverarbeitete Erlebnisse, alter Groll und Hader, die während einer Fastentherapie oft  unvermittelt wieder an die Oberfläche gespült werden,können wahrgenommen werden und bearbeitet werden, z.B. mit Hilfe einfühlsamer, liebevoller Gesprächstherapie. So fühlt sich der Mensch nach einem optimalen Fasten körperlich und seelisch im Gleichgewicht.